Hundert Prozent Gegenwart – Pro HAU

Das HAU ist kein Theater zum Kuscheln, aber ein Modell für die Zukunft

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Das HAU ist ein schwer festzunagelndes Lieblingstheater. Eines seiner Vorgänger in dieser Kategorie, die Berliner Volksbühne, war da deutlich leichter zu fassen mit ihrer Aura aus Arroganz, Exzentrik und Rock’n’Roll. Man konnte sich buchstäblich wärmen an diesem oft mit einem Panzerkreuzer verglichenen Haus, von dem der ehemalige Volksbühnendramaturg Matthias Lilienthal einmal gesagt hat, es sei der einzige Ort, an dem nach der Wende der Osten über den Westen gesiegt habe.

Das HAU hingegen hat schwärmerische Gefühle nie ausgelöst.

Von Identifikationsschauern beim Betreten eines der Foyers keine Spur. Statt Star-Ensemble Durchgangsverkehr, kein koksender Intendant mit Stalinporträt an der Wand, sondern ein mit Berliner Muffigkeit kokettierender Workaholic. Nein, das HAU hat sich aus strukturellen und konzeptionell logischen Gründen die ja immer auch etwas klebrige Identifikationsliebe seines Publikums, aber auch deren Umschlagen in bittere Enttäuschung vom Hals gehalten. Gerade die gewisse Kühle, die das Fassen klarer Gedanken ermöglicht, gehört bei aller dennoch produzierten Hitze zu den großen Qualitäten des Hauses.

In zehn Spielzeiten hat das HAU eine atemberaubende Zahl ...

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Theater heute April 2012
Rubrik: Neun Jahre HAU, Seite 32
von Eva Behrendt

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