Schnitzlers Schreibe
Man kann sich jederzeit in Wien seine ganz persönliche theatralische Begegnung mit Arthur Schnitzler erlaufen. Man nehme das gelbe Reclam-Heft mit dem «Lieutnant Gustl» in die Hand und gehe los: vom Musikverein über den Ring und die Aspernbrücke hinein in die Leopoldstadt bis zur Hauptallee des Praters; dort setze man sich erholungshalber für eine Weile auf eine Bank. Der Rückweg führt dann quer durch die Stadt hindurch, mit Abstechern in den Stephansdom, den Burghof, den Volksgarten, vorbei an Burgtheater und Parlament.
Das Ziel lege man willkürlich irgendwo in der Josefstadt fest, nahe den ehemaligen Kasernen, in einem kaum berühmten Kaffeehaus. Da rastet man, und im Kopf klingen die letzten Sätze der Novelle nach: «Ich bin grad gut aufgelegt … Dich hau’ ich zu Krenfleisch!»
Dieser symbolgespickte Weg, den Gustl in einer Nacht zurücklegt, vor einem lächerlichen Duell und nach einem noch komischeren Zwischenfall im Foyer des Konzerthauses, wo ihn ein einfacher Bäcker «Dummer Bub» nannte und damit eine auf Ehre, Hochmut und brüchige Gesellschaftsregeln errichtete Welt ins Wanken brachte – dieser Weg also erscheint dem, der ihn heute nachgeht, wie ein unwirkliches Spiel im Realen. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2012
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Bernd Noack
Walter Scheel saß in den 70er Jahren hoch auf der gelben BRD-Kutsche und hat trotzdem nie singen gelernt. Der deutschen Fernsehshow-Industrie war das egal, Scheel durfte das Volkslied «Hoch auf dem gelben Wagen» fürs ZDF verballhornen. Etwa zur selben Zeit gewann Elfriede Jelinek schreibend Abstand von ihrem toten Vater und ist trotzdem nie mit ihm fertig...
TH Matthias Lilienthal, Kirsten Hehmeyer, Ihre Zeit am HAU geht im Juni zu Ende. In zehn Jahren ist aus dem Bühnenkombinat im nordwestlichen Kreuzberg eins der erfolgreichsten Theater der Hauptstadt geworden – zwei Einladungen zum nächsten Theatertreffen, gute Auslastungszahlen und, nicht zuletzt, eine zugewandte Presse. Das war 2003/04, als Sie die drei...
Ganz Charlottengrad ist auf den Beinen. Mit Pelzkrägen, High Heels und Dekolletés, die tief zwischen hochgeschnürte Brüste blicken lassen. Mit Kussmündern, vielleicht nachgespritzt, und reichlich blauem Lidschatten. Überhaupt, mit Farbe! Kurvenschmeichelndes Grün, frivoles Pink und leuchtendes Sonnengelb, passend zur nachtschwarz gefärbten Haarpracht. Dazu...
