Achsenmächte in Balance
Als George W. Bush Anfang 2002 die Metapher in die Welt setzte, fügte er an, all jenen Staaten, die er von jetzt an zur «Achse des Bösen» rechne, nütze künftig keine Tarnung mehr: «We know their true nature.» Da hatte der Präsident längst wieder Haltung gewonnen und wirkte nicht mehr wie einige Monate zuvor beim Aussteigen aus dem Hubschrauber, als er, noch ganz unter dem Schock der einstürzenden New Yorker Zwillingstürme, wie ein scheues Reh nach allen Seiten spähte und für einen kurzen Moment die nervös-ängstliche Seite des Machtpolitikers durchscheinen ließ.
Das war einmal. Etwas mehr als zehn Jahre nach dem Tag, der die westliche Welt veränderte, überschreibt das Mannheimer Schauspiel eine Reihe neuer englischer und US-amerikanischer Theatertexte, die es zur deutschen Erstaufführung bringt, mit «Die Achse des Guten». Man kann die Überschrift auch als Drohung verstehen: Wie sieht das ungetarnte amerikanische Gutmenschentum aus?
Sexuelles Familienkonzil
Die Reihe startete früh in der Spielzeit mit Sharr Whites «Der andere Ort». Darin steht das Demenz-Schicksal einer Ärztin stellvertretend für jenes schwarze Loch des Vergessens, in das auch Gesellschaften starren können. Dann ...
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Theater heute April 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Jürgen Berger
Wenn vom 19. Mai bis zum 9. Juni in Mülheim das Best of deutscher Dramatik in seine
37. Runde geht, wird man tiefe Einblicke in die Keimzelle der Gesellschaft nehmen können:
Das Familienstück ist wieder da. Im ganz großen Stil und Rückblick in Peter Handkes Slowenen-Saga «Immer noch Sturm» (Thalia Theater Hamburg, Regie Dimiter Gotscheff), in den ganz engen Wänden...
«Wir vermissen einen Freund», sagt der Pfarrer beim Begräbnis über den plötzlich verstorbenen Mittvierziger Stuart Jackson. «Vielleicht nicht gerade einen echten Freund», räumt er ein, «einen der zuhören konnte oder einem das Gefühl gab, wichtig zu sein ...»
Der Männerkultfilm «Husbands» von Independent-Pionier John Cassavetes offenbart schon zu Beginn die Fallhöhe...
Neues von Fassbinder? In München wird der Autor/Filmemacher dieseits und jenseits der Maximilianstraße auf die Probe gestellt: «Petra von Kant» im Residenztheater und «Der Satansbraten» in den Kammerspielen.
Käthe hat lange auf vieles verzichtet: Karriere, Beruf, Glück. Doch jetzt dreht sie den Spieß um: Anne Leppers «Käthe Hermann» ist eine finstere Groteske....
