Dokumentation: Kindliche Freude

Sibylle Dahrendorfs Film «Das Knistern der Zeit» dokumentiert Christoph Schlingensiefs letztes Projekt

Theater heute - Logo

Es fühlt sich fast wie ein Wiedersehen an: Über weite Strecken der hundertminütigen Dokumentation «Das Knistern der Zeit» ist Christoph Schlingensief im Bild – dünn, ergraut und von der Krankheit bereits gezeichnet, aber sprudelnd vor Mitteilsamkeit und Tatendrang.

Sibylle Dahrendorf hat den Künstler und Regisseur zu seinem Vermächtnis, dem «Operndorf»-Projekt nach Burkina Faso, begleitet, ist ihm auf der Suche nach dem geeigneten Ort auf Brachen und in die Savanne gefolgt, beobachtet ihn im Gespräch mit Mitarbeitern, auf der Baustelle und bei den Proben zu «Via Intolleranza II» und schaut ihm immer wieder beim Filmen mit der Digitalkamera oder dem Handy zu.

Schlingensiefs Afrika-Begeisterung, das zeigt Dahrendorfs Dokumentation teilweise wohl auch unfreiwillig, war eine durchaus ambivalente Angelegenheit. In seiner Rede zur Grundsteinlegung etwa malt Schlingensief sich aus, wie man dort künftig vielleicht eine Opernsängerin erwarten, tatsächlich aber den Schrei eines Neugeborenen auf der miteingeplanten Kran­kenstation zu hören bekommen wer­de. Das ist natürlich reinster Afrika-Kitsch – der schwarze Kontinent als Gegenentwurf zum Westen, als das Ursprüngliche, durch keine Bildung ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2012
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Dresden Staatsschauspiel

Die Milch macht’s. Genau genommen die Muttermilch, die diesen Räuber-Knaben womöglich etwas früh entzogen wurde. Schlaff sitzen sie in Unterwäsche beieinander und putzen Stiefel, bis Vater Moor um die Ecke kommt, den Stuben­appell abnimmt und sie gestreng in die Heia schickt. Später hocken die Buben in hautengen Lederhosen vor einem idyllischen Waldsee-Panorama,...

Kiel Schauspiel

Er ist in der Stadt. Und zwar anonym. Der Revisor, ein Wirtschaftsprüfer. In Gogols Stück glauben ihn Dobtschinski und Bobtschinski identi­fiziert zu haben. Gleich zu Beginn. Und so führen sie die Dorfgemeinschaft auf eine falsche Fährte. Allein der Zuschauer ahnt den Irrtum und findet Gründe genug zum Amüsement.

Malte Kreutzfeldt hat Gogols Komödie in Kiel auf die...

Der Blitz auf der Schaukel

Nach allem, was man von Schillers «Don Carlos» weiß, waren «die schönen Tage von Aranjuez», die zu Beginn des Dramas bekanntlich zu Ende sind, nicht besonders schön. Denn «Eure königliche Hoheit verlassen es nicht heiterer. Wir sind vergebens hier gewesen». Wer das sagt, ist übrigens nicht Prinz Carlos und auch nicht die von ihm geliebte Königin Elisabeth, sondern...