Hinter den Kulissen

Tschechow «Drei Schwestern», Marlowe «Edward II»

Theater heute - Logo

Welches Bild soll es sein? Welche optisch-szenischen Übersetzungen will das Theater finden für die Texte, von und mit denen es lebt? Gestaltet es die Welten für die Bühne bloß routiniert – oder setzt es auf Behauptungen, die den Inszenierungen Orientierung geben? Wann und wo beginnt die Handschrift der Bühne; für jeden Bühnenbildner, jede Bühnenbildnerin – und für das Theater selbst?

Tschechows Fabeln vom ungelebten Leben in der russischen Provinz müssen nicht, sie dürfen jedes Mal von vorn erfunden werden.

Christian Kiehl hat für Sebastian Schugs «Drei Schwes­tern» eine Art geschlossene Gesellschaft entworfen; marod-kahle Wände dichten die Bühne schon kurz hinter dem Portal nach hinten ab, Auf- und Abtritte werden vorzugsweise über eine kleine Treppe nach vorne aus dem Bild heraus erledigt. Und in diesem in sich gefangenen Ort entwickelt das Ensemble das Spiel sehr kollektiv und fast ganz aus sich selbst, fast ohne Requisiten und bei Saal-Licht; dass die jüngste der Schwestern, Irina, den Abend singend eröffnet, als leicht angepunkter Rockstar, muss im Übrigen als Authentifizierung fürs Hier und Heute genügen. Die Weggeschlossenheit dieses Lebens ohne Ausweg und Perspektive wirkt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2012
Rubrik: Chronik Kassel, Seite 50
von Michael Laages

Weitere Beiträge
Der geballte Charme des Genozids

Gar nicht so einfach, das Leben als adelige Jeunesse doree im Petersburg des frühen 19. Jahrhunderts. Die ganze Nacht tanzen und Konversation machen, auf mindestens drei angesagten Bällen, Empfängen, Theatervorstellungen aufschlagen, für jeden das passend elegante Wort finden, maximal geistreich scheinen bei reichlich beschränkter Wissensbasis. Dazwischen...

Benutz es!

Die Besetzung verblüfft alle: Warum soll ausgerechnet das schüchterne Entlein Fine die nymphomane Camille (eine «ausgehungerte Hyäne») spielen? Immerhin geht es um eine Aufführung in der Volksbühne, die der berühmte Regisseur Kaspar Friedmann mit Schauspielschülern bestreiten will. Darum: Weil Fine einen «Schaden» hat! Und ein Schaden, das ist das Einfallstor für...

Wolfgang Kralicek: God save the Queen of Kalauer

Andere gehen zum Ausgleich joggen oder schwimmen. Elfriede Jelinek schreibt Komödien um. Es ist schon kurios: Ausgerechnet eine Autorin, deren eigene Stücke mit der konventionellen Dramenform wirklich nichts mehr zu tun haben, unterbricht die Textflächenproduktion immer wieder, um sich mit Dramen konventionellster Bauart zu beschäftigen, den Farcen von Feydeau und...