Heul Hitler!
«Tja, das war der Drache.» Noch bevor der Vorhang sich öffnet, resümiert Hebbel persönlich (Wolfgang Rüter) die ruhmreichen Taten seines Helden. Des Dichters lässige Vorrede ist amüsant und befremdlich zugleich: Mit seinen Zwergenkämpfen und Drachenblutbädern wirkt der Nibelungenstoff nicht heroisch, sondern altbacken und unfreiwillig komisch.
Vielleicht ist er im kollektiven Theatergedächtnis der Deutschen ebenso vom Einstauben bedroht wie die zahllosen Trödelfundstücke auf Vytautas Narbutas’ detailverliebter Bühne?
Hinter spärlich verhangenen Kronleuchtern blättern vergilbte Gemälde von den Wänden, alternde Möbelstücke fristen neben ausgestopften Tieren und umgekippten Marmorbüsten ihr Dasein. Ein Skelett dient als Kleiderständer. In den Regalen quetschen sich Totenköpfe, lachende Buddhafigurinen und Gasmasken zwischen Büchern und schlüpfrigen Schwarzweißfotos. In der Mitte des Raums das hölzerne Gerippe einer Dachkuppel. Das Reich des Burgunderkönigs Gunter gleicht der Rumpelkammer eines in die Jahre gekommenen Theaters, dessen letzter Vorhang vor langer Zeit gefallen ist.
In die Abstellkammer verbannt wirken auch der König selbst (Benjamin Grüter) und sein Gefolge: Als ...
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Theater heute März 2014
Rubrik: Chronik: Bonn Theater, Seite 56
von Laura Strack
Was Mark Russell und Meiyin Wang in ihrem New Yorker Festival «Under the Radar» präsentieren, bleibt nicht mehr lange unterm Radar. Ein Gespräch und die Entdeckungen von 2014
Ferdinand Schmalz war schon Alsergrunder Bezirksschreiber mit Schwerpunkt auf dem Julius-Tandler-Platz und bloggt unter www.dieschmalzette.at. Auch sein neues Stück hat hohen Fettwert. «am...
Das neue Gorki brummt. Jeder einzelne Abend sei ausverkauft, strahlt Chefdramaturg Jens Hillje. Das Publikum ist um gefühlte zwanzig Jahre verjüngt. Nicht nur an diesem Abend, zweite Vorstellung von Falk Richters «Small Town Boy», mit dem das sehr gezielte Anpeilen von (riesengroßen) Randgruppen, die das Gorki unter Shermin Langhoffs Intendanz seit November...
«Kabale und Liebe» ist eine sichere Bank für die Stadttheater. Infolge verunglückter Bildungsreformen werden die schulischen Theaterbesuche nämlich so bald nicht abreißen. Wäre da nicht die Krux mit der ständigen Neuauflage. Denn was lässt sich diesem landauf, landab gespielten Oberstufenstoff noch an Zeitgeist abringen?
Am Schauspiel Köln hat sich Simon Solberg...
