Am katholischen Marterpfahl
Die Wände bilden ein Kreuz – ein metallisch kalt schimmerndes. Die fahrbaren Elemente dieses Drehkreuzes werden in den häufigen Szenenwechseln von jungen schlanken Mädchen verschoben wie Uhrzeiger, die das Vergehen der Zeit und ewige Sisyphos-Anstrengung symbolisieren.
In den Nischen der vier wuchtigen Streben (Bühne Christof Hetzer) wohnen, als wären es Grabkammern, Bernarda Alba und die Ihren: die Mutter, schwarz, streng, aufrecht, Witwe und Braut des Todes, und ihre fünf heiratsfähigen bunten Töchter, die eine Phalanx bilden gegen die Tyrannei der Matrone und selbst noch beim angestimmten «Großer Gott, wir loben dich» aus dem Gesang ausscheren für ein bisschen Himmelreich auf Erden, schon mal einen Charleston-Schritt wagen und sich kokett in hübschen Kleidern drehen.
«Bernarda, dein Mann ist tot!» Mit der Nachricht vom Tod des Gatten und Vaters lässt Hans Neuenfels Lorcas dörfliche Frauentragödie im Kölner Schauspielhaus beginnen. Als bedürfte es dieses hinzugefügten Prologs, als bedürfte es der Axt, mit der Bernarda Alba die nun frei gewordene Hälfte des Ehebetts zertrümmert, um die psychische Ambivalenz von gewonnener Freiheit und sich selbst auferlegter Bindung, ...
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Man lebt frei und ungezwungen», sagt einer der «Hochstapler», ohne die Fesseln bürgerlichen Rechts und die Behinderung durch Rechtschaffenheit. Jeder der vier wegen Betrugs verurteilten Männer, die Alexander Adolph, nachdem er sich mit ihren Anwälten getroffen, die Gerichtsakten studiert und das Vertrauen der Männer erworben hat, in langen Sitzungen interviewte,...
Zwischen Innen und Außen, Gefühl und Welt: ein Abgrund. Selbstwahrnehmung und Welterfassung klaffen auseinander. Kleists «Penthesilea» ist das Drama dieses Missverhältnisses. Das Dokument einer hypertrophen Triebbewegung, die sich absolut setzt, eine verzweifelt arrogante Feier der maßlosen Innerlichkeit. An solch strenger Monstrosität scheitern alle...
Das gängigste Vorurteil über französische Filme lautet: Dort wird immer so viel geredet. Diese Einschätzung hält der filmhistorischen Gesamtbetrachtung nicht unbedingt stand, aber wer die Filme von Eric Rohmer, Jacques Doillon oder Jacques Rivette als «typisch französisch» empfindet, muss zugestehen, dass es bei aller Unterschiedlichkeit der Regisseure doch diesen...
