Am katholischen Marterpfahl

García Lorca «Bernarda Albas Haus»

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Die Wände bilden ein Kreuz – ein metallisch kalt schimmerndes. Die fahrbaren Elemente dieses Drehkreuzes werden in den häufigen Szenenwechseln von jungen schlanken Mädchen verschoben wie Uhrzeiger, die das Vergehen der Zeit und ewige Sisyphos-Anstrengung symbolisieren.

In den Ni­schen der vier wuchtigen Streben (Büh­ne Christof Hetzer) wohnen, als wären es Grabkammern, Bernarda Alba und die Ihren: die Mutter, schwarz, streng, aufrecht, Witwe und Braut des Todes, und ihre fünf heiratsfähigen bun­ten Töchter, die eine Phalanx bilden gegen die Tyrannei der Matrone und selbst noch beim angestimmten «Großer Gott, wir loben dich» aus dem Gesang ausscheren für ein bisschen Himmelreich auf Erden, schon mal ei­nen Char­leston-Schritt wagen und sich kokett in hübschen Kleidern drehen.

«Bernarda, dein Mann ist tot!» Mit der Nachricht vom Tod des Gatten und Vaters lässt Hans Neuenfels Lorcas dörfliche Frauentragödie im Kölner Schauspielhaus beginnen. Als bedürf­te es dieses hinzugefügten Prologs, als bedürfte es der Axt, mit der Bernarda Alba die nun frei gewordene Hälfte des Ehebetts zertrümmert, um die psychi­sche Ambivalenz von gewonnener Freiheit und sich selbst auferlegter Bin­dung, ...

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Theater heute April 2007
Rubrik: Chronik, Seite 43
von Andreas Wilink

Vergriffen
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