Bis zum Anschlag
Was für ein Bühnenbild! David Gonter hat einen engen Guckkasten in das Osnabrücker Theater am Domhof gezwängt, eine Bühne in die Bühne, und diesen Kasten als Erdhöhle eingerichtet, als düsteres Dreckloch, das wiederum durchlöchert ist, am Boden und an den Seiten, so dass die Darsteller rein- und rauschlüpfen können. Die Bühne schreit: Dieser Abend wird skurril. Und mit ihr schreien das auch Gonters Kostüme, die wirken wie aus einem Tim-Burton-Film.
Doch was wird dieser Abend noch? Was will dieser Abend? In Gonters Setting besorgt Regisseur Alexander Frank die Uraufführung von Viktor Pelewins «Das Leben der Insekten», eine Adaption des gleichnamigen Episodenromans von 1995. Die Figuren sind zu Hause in einer unwirtlichen Welt: im Russland nach dem Zusammenbruch des Sozialismus, im neuen Turbokapitalismus. Sie haben Namen wie Menschen, und auch sonst sind sie recht menschlich, genauer: Sie sind gleichzeitig Menschen und Insekten. In einem Moment packen sie ihre Handtasche, im anderen beißen sie verstorbenen Liebhabern die Beine ab. Ihre Existenz ist instabil, so instabil wie das neue System.
Sogar ihr Sextrieb ist artenübergreifend: Die arme Ameise Natascha verwandelt sich in eine ...
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Theater heute November 2013
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Tobias Becker
Eigentlich wollte Carsten Lusch endlich Schluss machen. Nachdem er sich zuletzt ein Haus von einem Bauunternehmer schenken ließ, ist seine Karriere als Energieminister passé. Ein Journalist, mit dem dann auch noch seine Frau durchbrannte, hat die korrupten Seilschaften aufgedeckt. Nun sitzt der gestrauchelte Phrasendrescher hinter der Glanzfassade seines schmucken...
Das Stück
Felicia Zeller
Die Welt von hinten wie von vorne
© henschel SCHAUSPIEL Theaterverlag Berlin GmbH 2013
PERSONEN
Klaus Klausen
(Kreativ-Geschäftsführer von MOVER UND SHAKER UND PARTNER Deutschlands größter PR-Agentur)
Transparenz ist für uns ein wichtiges Konzept
Jedoch nicht
Als standardisiertes Dogma
Sandra Ardnas
(Direktorin Kreation und Strategie)
Mein...
In der Kritikerumfrage des aktuellen «Theater heute»-Jahrbuchs wurde in der zweifellos interessantesten Rubrik «Ärgerlichste Erfahrung des Jahres» dreimal mehr oder weniger explizit Bühnenwatch genannt, ein loser Zusammenschluss von Geistes- und Kulturarbeitern. Als Erklärung werden «fehlgeleitete Sittenwacht», «PC-Gesinnungspolizei» und «Gesinnungspauschalismus»...
