Prädemente Denkgymnastik
Es war eine Überraschung, als Wilhelm Genazino vor drei Jahren mit zwei Stücken aufwartete. Immerhin stand er bereits kurz vor der Verleihung des Büchnerpreises, als er sich auch als Theaterautor outete und in zwei Stücken mit Tränensäcken, Bierbäuchen, Warzen und Altersflecken aufwartete. Der sich auflösende Körper bestimmte derart den Ton seiner späten Dramatik, dass man Beifall zollen wollte, gab er doch den wackeren Quichotte und schwang das Pappschwert gegen die zeitgeistige Körperbesoffenheit.
Als «Lieber Gott mach mich blind» dann beim Heidelberger Stückemarkt in szenischer Lesung zu hören war, wurde allerdings auch deutlich, dass die immergleichen syntaktischen Wendungen und ein durchgängig sarkastischer Ton durchaus einschläfernd wirken können.
Man weiß sehr schnell, dass es nur um die Vergänglichkeit des Lebens und sonst gar nichts geht. Das ist auch jetzt so, da Roberto Ciulli Genazinos «Der Hausschrat» zur Uraufführung gebracht hat und mit Sophie und Karl zuerst einmal zwei Mittfünfziger in einem biederen Wohnzimmer platzieren musste. Die beiden entsprechen auf keinen Fall gängigen «Fit for Fun»-Standards. Er ist das klassische Couchpotato, verfolgt einen ...
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Uff, dieser Weihnachtsrummel. Schwer bepackt kommt die hochschwangere Frau zum Treffpunkt im Restaurant, während ihr Mann schon mal am Whisky nippt. Erschöpft lässt sie sich nieder. «Ich liebe es», sagt sie und lächelt ihr sybillinisches Lächeln, das sie an diesem denkwürdigen Abend noch öfter lächeln wird. Sie hat ihr Handy nicht dabei; der Mann kann seines nicht...
Man kennt diese Typen. Kaum im Job aufgestiegen, richten sie sich und andere mit zynischer Zerstörungslust und gehörigem Selbst- und Lebensekel – weil sie erkennen, dass sie sich komplett verkauft haben – zu Grunde. Dabei sind sie natürlich nur auf der verzweifelten Suche nach einem Selbst, das in der allgemeinen universalen Käuflichkeit zwangsläufig irgendwo...
Das gängigste Vorurteil über französische Filme lautet: Dort wird immer so viel geredet. Diese Einschätzung hält der filmhistorischen Gesamtbetrachtung nicht unbedingt stand, aber wer die Filme von Eric Rohmer, Jacques Doillon oder Jacques Rivette als «typisch französisch» empfindet, muss zugestehen, dass es bei aller Unterschiedlichkeit der Regisseure doch diesen...
