Prädemente Denkgymnastik

Wilhelm Genazino «Der Hausschrat»

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Es war eine Überraschung, als Wilhelm Genazino vor drei Jahren mit zwei Stücken aufwartete. Immerhin stand er bereits kurz vor der Verleihung des Büchnerpreises, als er sich auch als Theaterautor outete und in zwei Stücken mit Tränensäcken, Bierbäuchen, Warzen und Altersflecken aufwartete. Der sich auflösende Körper bestimmte derart den Ton seiner späten Dramatik, dass man Beifall zollen wollte, gab er doch den wackeren Quichotte und schwang das Pappschwert gegen die zeitgeistige Körperbesoffenheit.

Als «Lie­­ber Gott mach mich blind» dann beim Heidelberger Stückemarkt in sze­ni­scher Lesung zu hören war, wurde al­ler­dings auch deutlich, dass die im­mer­glei­chen syntaktischen Wen­dungen und ein durchgängig sarkastischer Ton durchaus einschläfernd wirken können.

Man weiß sehr schnell, dass es nur um die Vergänglichkeit des Lebens und sonst gar nichts geht. Das ist auch jetzt so, da Roberto Ciulli Genazinos «Der Hausschrat» zur Uraufführung gebracht hat und mit Sophie und Karl zuerst einmal zwei Mittfünfziger in einem biederen Wohnzimmer platzie­ren musste. Die beiden entsprechen auf keinen Fall gängigen «Fit for Fun»-Standards. Er ist das klassische Couchpotato, verfolgt einen ...

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Theater heute April 2007
Rubrik: Chronik, Seite 44
von Jürgen Berger

Vergriffen
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