Zweifler, Unbequeme oder Alleskönner?

Der neue Bühnen-Alltag jenseits der Metropolen – und seine Folgen für die Ausbildung. Über notwendige Zwänge und noch notwendigere Freiräume in den öffentlichen Theatern und Ausbildungsinstitutionen

Theater heute - Logo

Die schleichenden Veränderungen im deutschen Stadt- und Staatstheater haben auch im Bereich Ausbildung tiefe Spuren hinterlassen. Die Vermittlungsquote der jährlich 180 Absolventen aller siebzehn staatlichen, deutschsprachigen Schauspielschulen ist mit 80 Prozent bei den Männern und 78 Prozent bei den Frauen relativ hoch im Vergleich zu vielen anderen Studiengängen der Darstellenden Kunst. Doch schon längst stehen hinter diesen Zahlen nicht mehr die erhofften Anfängerengagements von zwei Jahren, sondern bloß noch Stückverträge.

Selbst traditionsreiche und namhafte Ausbildungsinstitute können ihre zukünftigen Schauspieler nicht mehr allesamt in Festverträge vermitteln. Vielerorts arbeitet nunmehr die Hälfte nach dem Studium in Gastverträgen oder muss sich arbeitslos melden. Noch rückt keiner mit handfesten Zahlen heraus, da gegenüber den staatlichen oder städtischen Geldgebern die Vermittlungsquote als Erfolgsmeldung gilt. Und die muss stimmen, sonst geht es den Hochschulen womöglich genauso wie den Theatern, die Einsparungen fürchten, wenn bei allen Subventionen der Erfolg ihrer Arbeit nicht in belastbaren Auslastungszahlen nachweisbar ist.

Obgleich der Arbeitsmarkt immer weniger ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Freiraum Theater!, Seite 63
von Marion Tiedtke

Weitere Beiträge
Ökonomie und Ästhetik oder Eine deutsche Eselei

Seit mindestens 20 Jahren werden die Zuschüsse der Theater seitens der Kommunen gekürzt. Die beiden zentralen Folterinstrumente sind fehlender oder mangelhafter Ausgleich von Tarif­erhöhungen und fehlender Inflationsausgleich. Für die Träger haben diese Maßnahmen den Charme, dass sie oft unterhalb der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle bleiben. Hinzu kommt die...

Katastrophe als Chance

Für Fritz Kater bedeutet Schreiben nicht nur die Entwicklung neuer Verfahren der Anordnung und Bearbeitung von Wortmaterial, sondern immer eine besondere Art des Verdichtens, des Zuspitzens eigener Wahrnehmung von Wirklichkeit.

«5 morgen», sein neuer Text, schildert eine Welt, in der das Effizienz-Dogma nicht nur die Märkte, sondern vor allem das Menschenbild mit...

Der Tod ist ein Irrtum

Der Tod ist eine blöde Sau», sagt die mittlere Schwester in Henriette Dushes
«lupus in fabula». Doch die «blöde Sau» wird jeden ereilen, manchmal viel zu früh, oft spät am Ende eines langen Lebens. Die drei Schwestern in «lupus in fabula» trifft das Sterben des Vaters unvorbereitet in der Mitte ihres eigenen Lebens. Erst kommt der nahende Tod viel zu schnell, dann...