Weil ich ihn essen will
Ich glaube, Theater ist dann am besten, wenn eine Spannung zwischen Strukturen und dem dringenden Impuls besteht, Formen zu verändern und neu zu erfinden. Künstler arbeiten unter dieser Spannung am besten. Theaterabende funktionieren, wenn diese Spannung vorhanden ist. Ich glaube, sie verleiht jeder Einrichtung neue Energie und verhindert die Erstarrung zur Institution. Spannung ist lebenswichtig, und lebenswichtig ist meiner Ansicht nach auch, dass man Menschen, die künstlerische Einrichtungen leiten, den Raum und die Energie zugesteht, diese neu zu erfinden und neu zu imaginieren.
Sobald Theaterstücke oder Künstlerleben oder Einrichtungen erstarren, sind sie meines Erachtens praktisch überflüssig. Um Vitalität zu besitzen, müssen sie zunächst lebendig sein. Aus diesem Grund ist es so aufregend, hier zu sprechen, und aus diesem Grund ist es eine Ehre, Chris Thorpes Arbeit beim Theatertreffen und in Berlin vorzustellen.
Mein Job ist es jetzt, Ihnen in sieben Minuten von Chris Thorpes Arbeit zu erzählen und zu erklären, warum ich mich für ihn entschieden habe. Aber aus einem Geist heraus, den Sie hoffentlich akzeptieren werden wie Chris es ganz bestimmt tut, lasse ich es bleiben. ...
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Theater heute Juli 2014
Rubrik: Akteure, Seite 30
von Simon Stephens
Am Bremer Landgericht hängt seit 1890 ein Glasmosaik, auf dem die Zehn Gebote verzeichnet sind. Angeblich hätten die Nationalsozialisten von den Bürgern verlangt, dieses Symbol eines Primats göttlicher vor weltlicher Macht zu zerstören, die Bremer aber hätten die Tafeln einfach mit Steinplatten verhängt und die Zerstörung nur behauptet. Ob an der Geschichte was...
Buenos Aires, in einem Opernfoyer vor der Aufführung von «La Traviata»: Ein junger Mann bricht zusammen, ein Arzt leistet Erste Hilfe und stellt die Diagnose «chronische Unterernährung». Unter den Umstehenden entzündet sich eine Diskussion darüber, ob man den Wert der Eintrittskarte für diesen Nicht-Privilegierten spenden sollte und über mangelnde Solidarität...
Auch die Hexen haben heute Notebooks. Manierlich setzen sie Macbeth an den Feldtisch, ein Klick, und er hat ihre Prophezeiungen vor sich auf dem Bildschirm: Schottlands künftige Könige in digitaler Prozession; Gefahr droht von keinem, den eine Frau geboren hat; solange der Wald von Birnam nicht aufs Schloss zumarschiert, kann nichts passieren.
Die...
