Hingetuschte Möglichkeiten

Seit 50 Jahren praktiziert Ariane Mnoukines Théâtre du Soleil den naiven Kinderblick – jetzt auch auf Shakespeares «Macbeth»

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Auch die Hexen haben heute Notebooks. Manierlich setzen sie Mac­beth an den Feldtisch, ein Klick, und er hat ihre Prophezeiungen vor sich auf dem Bildschirm: Schottlands künftige Könige in digitaler Prozession; Gefahr droht von keinem, den eine Frau geboren hat; solange der Wald von Birnam nicht aufs Schloss zumarschiert, kann nichts passieren.

Die Dreizehn-Zoll-Visionen sind eine hübsche Pointe dieser Hexen, die sich im Übrigen folkloristisch nicht lumpen lassen und daherkommen wie aus dem Bilderbuch, schrumpelig, erdfarben.

Sie wirbeln gern Silberschalen in die Luft, bringen Tische zum Rotieren und greifen zwecks Menscheneinschüchterung auch schon mal zu altbewährten Tricks wie Riesenfratzen und Nebelmaschine. Bunt, verspielt und etwas uneinheitlich ist dies Hexenweibervolk – wie die «Macbeth»-Inszenierung der alten Theaterzauberin Ariane Mnouchkine ingesamt.

Es hat ja immer seinen besonderen Charme, wenn man nach Vincennes hinausfährt, am Schloss vorbei in die alte Kartuschenfabrik. Im Hof des Théâtre du Soleil blühen die Kastanienbäume, über dem Eingang steht in klaren Lettern «Liberté, Egalité, Fraternité» und in der Tür wie seit Jahr und Tag sie selber, die Patronne, und ...

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Theater heute Juli 2014
Rubrik: Ausland, Seite 22
von Andreas Klaeui

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