Trau keinem über vierzig
Als vor zehn Jahren das erste «100° Berlin»-Festival über die Bühnen des HAU und der Sophiensaele tobte, war alles Tohuwabohu. Ehrgeizige Theaterwissenschafts–studentInnen brannten darauf, vor Publikum ihr frisch erworbenes Wissen anzuwenden, hochmotivierte Dilettanten präsentierten ihre Passionsspiele, ergraute Szene-Hasen, denen nach Jahren der Förderhahn abgedreht worden war, packten noch einmal die Puppen aus. Studienräte für Deutsch und Englisch erfüllten sich vor der Pensionsgrenze den Traum, öffentlich einen Shakespeare-Totenkopf anzusprechen.
Jungchoreografen und Gießen-Abbrecher standen, ob mit ambitionierter Konzeptkunst oder brachialem Kabarett, zweifelsfrei kurz vor dem Durchbruch. Kurz: Das ganze Spektrum dessen, was sich unter dem breiten Begriffsschirm «Freie Szene» versammelt, wurde für ein Wochenende gleichberechtigt und nach dem Zufallsprinzip über die Spielstätten in Kreuzberg und Mitte verteilt.
Theater-Tombola
Inzwischen (und nicht erst seit diesem Jahr) ist aus diesem Sammelsurium – das für das Publikum einer Tombola mit reichlich Nieten und spärlichen Hauptgewinnen glich – das vielleicht spannendste Nachwuchsfestival im deutschsprachigen Raum geworden. Ein ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Magazin: Nachwuchs, Seite 71
von Eva Behrendt
Sie sind ganz offenbar ein gutes Gespann: Dramatiker Stephens und Regisseur Nübling. Ihr interkulturelles Patchworktheater «Three Kingdoms» wurde letztes Jahr von Theaterkritikerinnen und Theaterkritikern dieser Zeitschrift zum besten fremdsprachigen Stück gekürt. In «Three Kingdoms» jagen bekanntlich estnische, englische und deutsche Schauspieler in einer...
Noch hat Karin Beier die Intendanz am Hamburger Schauspielhaus nicht angetreten, aber der Hype lässt sich schon anfeuern. Zum Beispiel so: «Spiegel»-Autor Wolfgang Höbel hat eine Art Biografie der Theaterleiterin und Regisseurin geschrieben. Mit gerade mal 47 Jahren ist man zwar eigentlich noch nicht biografietauglich – aber seit Beier ab 2007 das vollkommen am...
In Zürich tobt gerade ein Kulturkampf. Im ehrwürdigen Zürcher Schauspielhaus, dem sogenannten Pfauen, wo einst Leopold Lindtberg regierte, Maria Becker brillierte, zahlreiche ehemalige Burgintendanten ihre letzte Direktorenruhe fanden, wo Christoph Marthaler vertrieben wurde und Matthias Hartmann schöne Abende am See verbrachte, in diesen Tempel der Kunst soll ein...
