Stützen der Gesellschaft
Koloniale Zustände!», schnaubt Mutter Karin gutgelaunt angesichts des selbstverständlich unterbezahlten und ausgebeuteten lettischen Au-pair-Mädchens Luize im Garten ihrer Tochter. Luize allerdings räkelt sich gerade im roten Bikini hingebungsvoll am Bio-Teich, vor der Nase Zizeks «Auf verlorenem Posten» aus dem Bücherregal ihres Gastvaters. Macht nichts: Karin gehört zur Generation, der die klassenkämpferischen Etiketten noch unbekümmert um präzisere Realitätsbetrachtung über die Lippen kommen.
Ihre eigenen Kinder ließ sie einst ungerührt beim Vater, als sie mit ihrem Lover ins Baskenland verschwand, ihren Achtstundentag verbrachte sie wehenden Rothaars auf Demos respektive mit den dort acquirierten Co-Demonstranten im Bett. «Engagiert» nennt sie das, die Töchter rollen die Augen.
Ulrike Syha hat sie in ihrem neuen Stück in Herrn Schusters «linksliberalem Garten» wieder zusammengebracht: Karin und ihre Töchter. Herrn Schusters Ehefrau Valerie ist – horribile dictu – Managerin im Baugeschäft, eine perfekt organisierte Führungskraft mit Kindern am Rand des Nervenzusammenbruchs; die eher autistische Schwägerin Vera hat das Engagement in die Unikarriere ausgelagert und promoviert über ...
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