Blinklichter

Max Frisch «Graf Öderland» (Schauspielhaus)

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Herr Staatsanwalt belieben zu fluchen. Spätnachts, eingekerkert zwischen Aktenordnern, grübelt und grummelt Martin Hug im Basler Schauspielhaus dem unsinnigen Selbstzweck der Arbeit hinterher. Ein Fall irritiert den überarbeiteten Juristen: Ein braver Bankangestellter hat einen nicht minder braven Hauswart mit der Axt erschlagen. Motiv: keines. Das bringt das auf Pflichtgefühl errichtete Weltbild des Staatsanwalts ins Wanken.

Erschwerend kommt hinzu, dass ihn seine untreue Gattin (mit gelangweilter Patrizier-Arroganz: Claudia Jahn) und das notgeile Hausmädchen (mit französischem Klimbim-Akzent: Inga Eickemeier) beim Grummeln stören. Erstere schwenkt das Glas, letztere das Hinterteil – das ist zu viel. Den Staatsanwalt treibts aus dem Haus und in die Wälder.

Ein verständlicher Entschluss. Zumal sich das Arbeitszimmer auf der düster getäfelten Bühne von Maren Greinke jetzt als direkte Verlängerung jener Zelle entblößt, in der der Axtmörder (Dirk Glodde) seinem Verteidiger Doktor Hahn (Jan Viethen) bei allerlei juristischen Verrenkungen stoisch die Hilfestellung verweigert. Der Mann will nicht verteidigt werden.

Er wollte mit seiner Tat raus aus der klaustrophobisch engen ...

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Theater heute November 2010
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Stephan Reuter

Vergriffen
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