Spiel mit dem Feuer
Für einen Ort, an dem ein Theater der Superlative entsteht, sieht die Pastorijstraat 23 eher unscheinbar aus. Das Probenzentrum von Jan Fabres Performance-Truppe Troubleyn, benannt nach dem Mädchennamen seiner Mutter Helena, befindet sich im ehemaligen Antwerpener Arbeiterviertel nordöstlich des Hauptbahnhofs. Fabre ist hier um die Ecke aufgewachsen, als Sohn des städtischen Gärtners Edmond Fabre. Eine traditionell eher raue Gegend, heute von türkischen Bäckern, afrikanischen Barbieren und arabischen Handyshops geprägt; die Gentrifizierung steckt noch in den Kinderschuhen.
Die Troubleyn-Factory verbirgt sich hinter einer unauffälligen Metalltür. Durch Betonelemente und Glaswände verbindet sie ein altes katholisches Stadtteiltheater mit einer ehemaligen Schule: Die Stadt Antwerpen hat beides ihrem wahrscheinlich prominentesten Künstler für 30 Jahre und zur freien Gestaltung zur Verfügung gestellt.
Seit knapp einem Jahr bereiten sich Jan Fabre und seine Truppe hier auf «Mount Olympus. To glorify the cult of tragedy. A 24 hours performance» vor, eine globale Koproduktion der Concertgebouw Brugge, von Julidans Amsterdam, Romaeuropa, dem Festival Internacional de Teatro Buenos Aires ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2015
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Eva Behrendt
Unheimlich wirkt Budapest in diesen ersten Filmbildern. Die Kamera folgt einem jungen Mädchen auf seinem Fahrrad durch die menschenleeren Straßen, vorbei an einem Auto mit offenen Türen; die Warnleuchten blinken. Plötzlich biegt in einer ebenso großartigen wie beängstigenden Massenchoreografie eine gewaltige Hundemeute um die Ecke und hetzt hinter dem Mädchen her....
In der Marktwirtschaft ist der Erfolg das einzige Thema. Aber das Thema des Theaters ist der Misserfolg, die Krise, das Scheitern. Die Tragödie, die Katastrophe sind ehrwürdige dramatische Errungenschaften.
Solche Behauptungen enthalten nichts Neues und schildern nur den Normalfall der Theaterkunst, nicht erst seit Beckett, sondern seit 2.500 Jahren. Dass das heute...
Egal, wie tief sich eine Aufführung in den Wahnsinn hineinarbeitet, am Ende bleibt bei «Macbeth» doch das Gefühl, dass man den Abgrund, in dem das Stück und das Ehepaar gleichen Namens versinken, verfehlt hat. «Macbeth» gilt als eher einfaches Shakespeare-Drama, vor allem wegen der einspännigen Handlung, trotzdem bleibt da etwas, was das Stück am Ende immer tiefer,...
