So lange die Gelenke mitmachen
Alte Frauen, zwischen 60 und 90 Jahren. Am Strand, an der Kühltheke, im urbanen Nichtort. Die eine bewegt sich kaum merklich im Stehen, die andere versucht einen Sitzblues, die dritte mosht exzessiv, aber alle tanzen. Eun-Me Ahn hat für «Dancing Grandmothers» in der koreanischen Provinz recherchiert, das Ergebnis dieser Recherche ist der Mittelteil des dreiteiligen Abends: Videos tanzender Frauen.
Gerahmt wird er von den Tänzern aus Eun-Me Ahns Compagnie, die das Bewegungsrepertoire der Alten variieren, und einem Schlusspart, in dem alte Frauen und Profis gemeinsam auf der Bühne tanzen.
Insbesondere Letzteres ist zumindest beim Auftritt im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel nicht unproblematisch – natürlich ist die Bühnenpräsenz alter Menschen eine andere als die von ausgebildeten Tänzern. Ein Stück weit stellt «Dancing Grandmothers» seine Protagonistinnen aus. Ein Stück weit. Allerdings ist das hier ein Ausstellen, das eng verknüpft ist mit dem Prinzip Performance: Gezeigt werden Menschen, die einen Körperpanzer abwerfen, die sich aus der Enge der Konventionen lösen, die für alternde Körper gelten, und die mit zunehmendem Spaß über die Bühne toben. Naja, «toben». So lange die ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Falk Schreiber
Die Mädchen fassen sich zwischen die Beine. Sie stöhnen und bäumen sich auf, sie winden sich und zerren an ihren leichten Sommerkleidern. Die Lust, die sie durchfährt, ist in der Eröffnungsszene dieser «Hexenjagd» am Wiener Burgtheater aber auch ein Todeskampf. Die Röcke und Blusen eignen sich hervorragend, um sich selbst zu strangulieren.
Die Masturbationsszene,...
Strahlend, freundlich, hell ist hier alles, eine Utopie scheint wahr geworden. Schwere Leiden und Schmerzen gibt es nicht mehr, Traurigkeit ist überflüssig. Doch die Leichtigkeit und Schönheit des Science-Fiction-Szenarios von Konstantin Küspert entzaubert sich, wenn man zu ahnen beginnt, was hier eigentlich abgeht.
Die Lebensfreude basiert auf einer Art Neufassung...
Monotones, dumpfes Wummern, schier endloses, auf- und abschwellendes Gebrumm, bevor der Vorhang sich öffnet, soll die Zuschauer schon vorab in die Verzweiflung treiben, die in Iwanows Kopf dröhnt. Dann auf der Bühne, ein Zimmerfragment: Stuhl, Tisch, Heizkörper (wir sind im kalten Russland), Neonlicht. Ein Mann bewegungslos im knöchellangen schwarzen Wintermantel...
