Schirmherr Sokrates
Wie schön wäre es, mit eigenen Anekdoten aufwarten zu können, mit Initiations–erlebnissen aus dem Kinder- und Jugendtheater der 1980er Jahre. Aber leider sind meine Erinnerungen an dieses Theater meiner frühen und mittleren Kindheit nahezu vollständig verblasst. Nicht einmal von zähen Schulpflichtbesuchen kann ich berichten, nicht von «pädagogisch wertvoller» oder auch nur – ich wuchs in der nordostdeutschen Werftarbeiterstadt Rostock in der DDR auf – ideologisch bildsamer Kost.
Mir ist nicht mehr als dieser vage Resteindruck geblieben: dass Kinder- und Jugendtheater damals etwas latent Freudloses hatte und jedenfalls nicht annähernd so vital rüberkam wie alles, was uns wirklich begeisterte: Stadionbesuche beim FC Hansa, Wandertage, Pioniernachmittage mit Sport, Schülerolympiaden und dergleichen.
Mit einer solchen Vorprägung (oder eben verpassten Prägung) gerät eine Tour ins heutige U-18-Theater, z.B. zur großen Szene-Biennale «Augenblick mal», zur reinsten Überraschungskanonade: Opulente Opern wie «Das Kind der Seehundfrau» laufen da neben Breakdance-Shows à la «Super Me» von E*Motion oder urbanem Tanztheater wie «Hell on Earth» von Constanza Macras. Handgemachtes, lässiges ...
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Theater heute Juli 2012
Rubrik: Junges Theater, Seite 6
von Christian Rakow
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