Maria Panourgia in «Die Legende von Sant Kartak und die kleine Blume», basierend auf Joseph Roths «Die Legende vom heiligen Trinker»; Foto: Athen Festival 2017

Radikal selbstbewusst

Matthias von Hartz und Vangelis Theodoropoulos öffnen das Athen Festival – für Frauen, in die Stadt und für die Ex-Volksbühne

Theater heute - Logo

Sie sind weiblich, radikal und nicht mehr jung. Sie sind die neue treibende Kraft in der griechischen Theaterszene. Sie waren zuvor meist Schauspielerinnen, machten Filme oder Bühnenbilder, weswegen sie als Theater-Regisseurinnen noch jung sind, obwohl sie über vierzig oder noch älter sind. Bei den Salzburger Festspielen war es Athina Rachel Tsangari, deren Film «Attenberg» vor sieben Jahren in Venedig lief, die in ihrer ersten Theaterregie mit einem harten konzeptionellen Zugriff auf Wedekinds «Lulu» das Publikum verunsicherte und die Kritiker überzeugte.

Am Nationaltheater Athen hatte im diesem Frühjahr Lena Kitsopoulou, die bereits seit einigen Jahren als Regisseurin in Griechenland und Deutschland unterwegs ist, mit ihrem Projekt «Tyrannosaurus Rex» gezeigt, wie kompromisslos Theater heute in Griechenland aussehen kann: Sie brachte eine Ballettgruppe auf die Bühne, die von ihrem Chefchoreografen bis aufs Blut malträtiert wird, so dass den Tänzern gerade das abhanden kommt, was sie eigentlich ausmacht: die Fähigkeit zu tanzen.

Von Fabre zu von Hartz

Auch beim Athen Festival 2017 waren es neue Regisseurinnen aus Griechenland, die am meisten auf sich aufmerksam machten. Doch dass ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2017
Rubrik: Festivals, Seite 36
von Armin Kerber

Weitere Beiträge
Das Zelt der fliegenden Messer

Großen Eindruck kann man in ganz großem Rahmen machen. Aber auch in ganz kleinem. Die Compagnie XY aus Frankreich, die in 20-köpfiger Besetzung das zweite «Atoll»-Festival in Karls­ruhe eröffnete, dürfte eine der größten Nouveau-Cirque-Truppen weltweit sein, und mit ihrer sensationellen Luftakrobatik nutzten sie die Bühne im großen Saal des Kulturzentrums Tollhaus...

Göttingen: Wahnwitz der Medien

Bonbon-Farben beherrschen die Bühne von Jürgen Höth für das erste Nachspiel von «Vereinte Nationen» (abgedruckt in TH 4/17) – ein Talkshow-Ambiente? Die Möbel der bunten Sitzgruppe haben alle runde Ecken. Verletzen also sollte sich hier niemand – während im Kontrast das Stück ja Verletzung ohne Pause zeigt. Anton und Karin missbrauchen die Tochter Martina als...

Köln: Männerfantasien

«Peer Gynt» ist ein selbstreferenzielles System. Ibsen erzählt eine fantastische Geschichte von einem Mann, der fantastische Geschichten erzählt und fantastische Geschichten als real erlebt. Die Illusionsebenen sind vielfältig verschränkt. Alles ist immer ein bisschen «als ob». Stefan Bachmanns Besetzungsentscheidung macht das überdeutlich: alles nur Männer, die...