Foto: Thomas Müller/Deutsches Theater Göttingen

Göttingen: Wahnwitz der Medien

Clemens Setz «Vereinte Nationen»

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Bonbon-Farben beherrschen die Bühne von Jürgen Höth für das erste Nachspiel von «Vereinte Nationen» (abgedruckt in TH 4/17) – ein Talkshow-Ambiente? Die Möbel der bunten Sitzgruppe haben alle runde Ecken. Verletzen also sollte sich hier niemand – während im Kontrast das Stück ja Verletzung ohne Pause zeigt. Anton und Karin missbrauchen die Tochter Martina als mediales Objekt; sie drehen Erziehungsvideos mit ihr, im Auftrag und nach Wunsch von Abonnenten.

Ohne dass reale Räume behauptet würden, sind allein die bunten Sessel vor einer puzzlearti­gen Wand im Hintergrund vielseitig verwendbar für die kleinen Folterszenen, die immer Papa spielt; und Mama zeigt auch keine Scheu, im Ernstfall zuzuschlagen.

In Göttingen (Regie Matthias Kaschig) bekommt auch das Publikum eine signifikante Rolle: indirekt, als Repräsentant der Zeitgenossenschaft. Das Dealer-Pärchen nämlich, das die Videos vertreibt, befindet sich mitten unter uns. Und die Dialoge zwischen den Eltern und den Managern des Kindsmissbrauchs finden zwischen Bonbon-Bühne und Publikum statt. Wenn Oskar einmal in die Szene tritt, nimmt er die kleine Martina an der Hand, als wolle er sie wer-weiß-wohin entführen: ganz der böse ...

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Theater heute November 2017
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Michael Laages

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