Pasolini als Heilsgeschehen
Spätestens, wenn man die Liegestühle sieht, beginnt man zu ahnen, was Eyüp Yildiz meint. Eyüp Yildiz – das ist der stellvertretende Bürgermeister von Dinslaken, und als solcher hat er bereits vor dem Beginn der ersten von Johan Simons verantworteten Ruhrtriennale eine kleine Debatte ausgelöst.
Yildiz warf Simons vor, die Zeche Lohberg in Dinslaken, die sich der Festivalleiter für seine Auftakt-Inszenierung «Accattone» ausgesucht hatte, bloß als «pittoreske Schachtkulisse» zu missbrauchen, «in der sich die Gesellschaft des Kulturspektakels für einen Sommer lang feiert, um dann weiterzuziehen». Die Lohberger aber hätten Simons nicht zu Gesicht bekommen, die Geste des Dialogs und der Öffnung durch Kultur sei aufgesetzt.
Und nun schaut man also auf diese Liegestühle, die vor der zum gewaltigen Gastro-Foyer umfunktionierten Zentralwerkstatt der Zeche aufgestellt sind. Festivalbesucher in Ausgehgarderobe räkeln sich darin in der Spätnachmittagssonne, das Glas Wein oder die Bierflasche neben sich. Alles nicht verwerflich, nein, alles ganz normal, und man setzt sich sogar gerne dazu. Aber tatsächlich illustriert sich die «Gesellschaft des Kulturspektakels» so gewissermaßen selbst. Von der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Aufführungen/Festivals, Seite 26
von Wolfgang Behrens
Kleine Lügen können die Lebensqualität entscheidend verbessern. Zum Beispiel Martina, Mitte 30. Nach dem Studium jobbt sie schon seit zweieinhalb Jahren in einem Zeitungskiosk, um die kleine Familie mit dem mäßig erfolgreichen Akademikergatten finanziell über Wasser zu halten. Erst als sie mit der Kassenabrechnung etwas kreativer umgeht, kann sie sich auch mal ihr...
Auf die Idee muss man erst mal kommen: Bei 37 Grad Sommerhitze in Norwegerpulli und Fellmütze herumzurennen. Aber gut, wir sind in der Antarktis. Der junge Schauspieler und Regisseur Samuel Achache schickt ein sechsköpfiges Forschertrüppchen ins Polareis und hat ihnen dafür ein hübsch knirschendes Styropor-Schneefeld unter den Platanen des Cloître des Célestins...
«3000 Euro» sind nicht die Welt, können aber – vor allem wenn sie fehlen – einen entscheidenden Unterschied machen. In seinem gleichnamigen Roman untersucht Thomas Melle mit unsentimentaler Genauigkeit, aber nicht ohne Empathie, was passiert, wenn eine Existenz ins Rutschen gerät. Anton wohnt vorübergehend in einem Übergangsheim, aber manchmal übernachtet er auch...
