Auf Augenhöhe
«3000 Euro» sind nicht die Welt, können aber – vor allem wenn sie fehlen – einen entscheidenden Unterschied machen. In seinem gleichnamigen Roman untersucht Thomas Melle mit unsentimentaler Genauigkeit, aber nicht ohne Empathie, was passiert, wenn eine Existenz ins Rutschen gerät. Anton wohnt vorübergehend in einem Übergangsheim, aber manchmal übernachtet er auch im Freien – «Einübung in die Zukunft, Vorwegnahmen des Unausweichlichen»? Vor Kurzem studierte er jedenfalls noch Jura mit Aussicht auf eine unproblematische Zukunft, Familie, Urlaub, Eigenheim.
Dann lief es einen Sommer lang nicht rund, Burnout, auch schon mal Drogen und ein paar unüberlegte Internet-Einkäufe. Jetzt trennen ihn von einem bürgerlichen Leben ein Rechtsstreit mit der Deutschen Bank und 3000 Miese auf dem Dispo, die er nicht zurückzahlen kann. Warum, wird nie so ganz klar, aber wenn man mal drin ist in der Abwärtsspirale, sind eben Kräfte am Werk, die sich so ohne Weiteres nicht umkehren lassen. Von fern grüßen Kästner, Horváth, Fallada.
Hoffnung keimt auf, wenn Denise, Supermarktkassiererin und alleinerziehende Mutter einer verhaltensauffälligen Sechsjährigen, eine uneigennützige Schwäche für den ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Chronik, Seite 66
von Silvia Stammen
Vielleicht wird ja eine neue griechische Regierung der Zukunft Yorgos Loukos zum Kulturminister machen. Wie er das Epidauros-Festival durch Krise und Angst steuert, ist erstaunlich. Wie schon in den vergangenen Jahren dominieren im Programm die griechischen Produktionen. Es gab einige künstlerische Höhepunkte eines jungen griechischen Theaters zu sehen. Auf dem...
Da sitzt er nun, der Präsident, an seinem Schreibtisch vor einer Tapete mit dem Staatswappen, und spricht zu seinem Volk. Es ist eine dieser Reden, die sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben: «Liebe Freunde, dies wird mit Sicherheit das letzte Mal sein, dass ich mich an Euch wende.» Die Geschichte von Salvador Allende ist bekannt, doch am Filmset,...
Aufs Liebevollste wurde das Gutshaus von den Werkstätten mit Patina versehen. Das pittoresk heruntergekommene Landhaus von Zsolt Khell mit fleckigen Gardinen, altem Kinderspielzeug und 60er-Jahre-Sesseln ist nur noch ein Symbol vergangener Erinnerungen, zu groß, sperrig und uneffizient für die Gegenwart – und so staubig, dass fast der Niesreiz in die Nase steigt.
K...
