Nürnberg: Zwei Schlüsse
Sieht ein bisschen so aus, als würden jetzt gleich «Glückliche Tage» beginnen, und im nächsten Moment müsste Winnie sagen: «Wieder ein himmlischer Tag.» Die Schauspielerin Ulrike Arnold sitzt in der Mitte der Bühne des Nürnberger Schauspielhauses, leicht erhöht und eingehüllt in einen seidenen Vorhang, der sich über die gesamte Fläche ergießt und auf allen Seiten hinaufreicht bis in den Schnürboden. Edel mutet das an, nicht so schäbig karg wie bei Beckett.
Dann wird der Stoff ruckartig weggezogen – aber der Blick geht nicht in eine versengte Grasebene, sondern in ein etwas unaufgeräumtes Zimmer mit Pariser Interieur. Und die Frau steckt nicht in einem Hügel fest, sie hockt im Bett.
Also doch nicht Beckett. Dabei lag man mit der ersten Annahme gar nicht so falsch. Denn eigentlich wollte Altmeister Dieter Dorn das gallige Endzeit-Stück des Iren schon inszenieren, kombiniert mit Georges Feydeaus harmloser Salonfarce «Herzliches Beileid». Doch die Beckett-Erben erhoben kurzfristig Einspruch, und so gab es in Nürnberg nur den halben Abend zu sehen. Dass da etwas fehlte, ein Reibungspunkt, ein Widerspruch, ein Stachel, spürte man schnell: Nach knapp einer Stunde war der Spaß vorbei, ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Bernd Noack
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«Die Toten», «Der...
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