Letzte Walzer
Die Spielplandramaturgie war klassisch: save the best for last. Zum Saisonschluss und Ende ihrer Intendanz programmierte Barbara Frey nochmal zwei der prägendsten Handschriften ihrer Zürcher Jahre: zunächst im Schiffbau Karin Henkel, die viele große Abende in Zürich inszeniert hat, mit Thomas Mann; tags darauf sie selbst mit James Joyce.
«Die Toten», «Der Zauberberg»: epische Erzählungen also, und existenzielle Stoffe. Es ist schon frappierend, wie sehr Manns Romane gerade wieder die Bühnen faszinieren, namentlich «Der Zauberberg».
Zum Beispiel mit dem Schnee-Kapitel, in dem Hans Castorp der Welt in Eisverwehungen abhanden kommt, wie bei Thom Luz in Basel. Oder in der «Fülle des Wohllauts», mit dem Grammofontrichter als Weltkondensat, wie jüngst bei Alexander Eisenach in Graz. Die Bühnen wollen so was nicht dem Film und seinem mehr oder weniger – meist ja mehr – abbildenden Zugang überlassen. Es sind Stoffe, die synästhetische Gegenwart fordern, einen Mehrwert über die reine Erzählung hinaus. Die Weltverlorenheit; die Musik; «Die große Gereiztheit» jetzt in Zürich. Der Titel bezieht sich auf das vorletzte Kapitel des Romans, in dem Mann die nationalistische Nervosität und die ...
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Theater heute Juli 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Andreas Klaeui
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