Mit und ohne Thesen
Was über Hedda alles schon gedacht wurde! Verkörperung von Langeweile und Ästhetizismus, hysterisches Subjekt, Beispiel für die Unmöglichkeit weiblicher Authentizität, der Einspruch des Schönen gegen die Güte: All das war mal Hedda Gabler.
Roger Vontobels Inszenierung ignoriert die Tradition. In Bochum sieht man einen ungewöhnlichen Hedda-Typus: kein feminines Reizbündel, auch keine große kühle Schönheit, sondern eine androgyne Frau ganz in Schwarz, mit kurzem Haar, rasierten Schläfen und Sonnenbrille – Jana Schulz. Ein empfindliches, mit zielloser Energie geladenes Nichts.
Daneben setzt die Inszenierung auf grelle Symbolik. Sie beginnt mit groß projizierten Blüten und Insekten, Vorgängen von Befruchtung, Entfaltung und Fortpflanzung: Schönheit und Ekel im Bild. Der Vatergeneral, Heddas internalisierte Herrschaftsgewalt, holpert und huscht als höhnisch lachender und lächerlich kleinwüchsiger Zirkusartist (Gisbert Görke) mit Märchenuniform über die Bühne. So rechnet uns die Inszenierung eine schlichte psychoanalytische Gleichung ohne Unbekannte vor: Vaterfixierung + abwesende Mutter = Fortpflanzungsekel = Lesbe. Also geht Hedda ihrer ehemaligen Schulkameradin Elvstedt unter den ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Gerhard Preußer
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