Tanz unterm Todesstern

Stephan Kimmig probiert Ferenc Molnárs «Liliom» mit wenig Kirmeskram und viel Körpereinsatz an den Münchner Kammerspielen

Theater heute - Logo

Das Schöne am Ensembletheater ist, in aller Ruhe über längere Zeiträume hinweg beobachten zu können, welchen Weg Schauspieler und Regisseure gemeinsam gehen, welche Entdeckungen sie an- und miteinander machen und durchaus auch, wo sie zusammen an Grenzen stoßen. Zwar werden Spielpläne meist zu wenig von solchen Überlegungen bestimmt, umso erfreulicher ist es da, wenn das Winning Team der letzten Saison, Stephan Kimmig und Steven Scharf, an den Münchner Kammerspielen nun bereits in die vierte gemeinsame Runde gehen darf.

Die beiden haben in den letzten Jahren schon einige bemerkenswerte Grenzgänge unternommen und dabei in hartgesottenen Kriegsherren wie Jason («Mamma Medea») oder Agamemnon («Atropa», beides von Tom Lanoye) staatsmännisch lavierende und an Selbstzweifeln laborierende Familienväter entdeckt oder zuletzt einem erotomanen Wrack wie dem Kulturbeam­ten Michel in Houellebecqs «Plattform» zu einer emphatischen Passion in Großaufnahme verholfen. Es ist fast ein Marken­zeichen des Gespanns, Rollen so konsequent gegen den Strich zu spielen, bis sich daraus ein überraschend ungeglätteter Zugriff ergibt, der die Fragen des jeweiligen Textes direkt und anders stellt.

Nun haben ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Das fehlt!

In Yer Face
Sibylle Bergs «Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen» im Berliner Gorki Theater

Ich gestehe es freimütig: Die Aussicht, im Maxim-Gorki-Theater künftig «postmigrantisches» Theater geboten zu bekommen, hatte mich nicht gerade veranlasst, vor Freude auf dem Tisch zu tanzen. Dinge, die die Silbe «post» im Namen tragen, haben sich bei näherer Betrachtung...

Keine Zukunft ohne Vergangenheit

Demenz, erklärt der hypermotorische Psychiater Dr. Szatmáry eingangs dem Publikum, sei eine Krankheit, bei der das Gehirn vom Nichts gefressen werde. Ein Zustand wie in Ungarn, fügt er sarkastisch hinzu: «Keine Vergangenheit, keine Zukunft.»

In seiner schrägen Gesellschaftsparabel «Dementia, or the Day of My Great Happiness» behan­delt der ungarische Regisseur...

Gepflegter Nazi-Chic

Wenn einer einen anderen erschießt, kann das quälend lange dauern. Vor allem dann, wenn der Erschossene von derselben Person gespielt wird wie der Mörder. Immer wieder tauscht Schauspieler Meinolf Steiner sein blaues Sakko gegen den Smoking nebst Fliege aus, spricht zwei Sätze, und die Umziehorgie beginnt von vorne. Bis zum finalen Abdrücken und zu Boden Sinken des...