Die Masken der Familie Handke

Graz: Peter Handke «Immer noch Sturm»

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Das Stück, mit dem Peter Handke 2012 zum ersten Mal in seiner langen Karriere den Mülheimer Dra­matikerpreis gewann, ist ein großes Kopftheater, in dem der Dichter die Geschichte seiner Familie inszeniert.

Das Stück ist kein Drama, sondern eine lange Ich-Erzählung; so etwas wie dramatische Spannung erzeugt der Regisseur Handke vor allem durch einen kühnen Kunstgriff: Der Erzähler, also er selbst, befindet sich in der Gegenwart; seine Verwandten, denen er auf dem Kärntner Jaun­feld begegnet, in den 30er und 40er Jahren – bis auf die Großeltern sind sie also alle wesentlich jünger als er. Mit den Fakten nimmt es Handke in seiner Familienaufstellung nicht so genau. Onkel Gregor etwa, der in Wirklichkeit an der Ostfront gefallen ist, schließt sich im Stück den Partisanen an.

Für Handke-Exegeten ist «Immer noch Sturm» ein Schlüsselwerk; mit der Hommage an seine slowenischen Wurzeln liefert der Autor sozusagen die Vorgeschichte für seine umstrittenen Jugos­lawien-Texte der 90er Jahre nach. Für das Theater ist das Stück eine Herausforderung. Obwohl der Text für die Bühne geschrieben wurde, ist er schwie­riger zu dramatisieren als mancher Roman. Bei der Uraufführung, 2011 in Salzburg, nahm ...

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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Wolfgang Kralicek

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