Mission Sprachspirale

Valère Novarina «Der rote Ursprung»

Theater heute - Logo

L’origine rouge» von Valère Novarina wurde 2000 in Avignon uraufgeführt. Leopold von Verschuer, der damals mitspielte, hat jetzt die Rie­sen­­arbeit übernommen, das Stück ins Deutsche zu übersetzen, in Zürich zu inszenieren und selbst auf der Bühne zu stehen. Mehrere Lanzen werden im Theater Neumarkt gebrochen für den 1947 in der Westschweiz geborenen und in Frankreich berühmt gewordenen Dramatiker, Regisseur und Künstler Novarina (auch in Vorträgen, Filmaufführungen und in einem französischen Solo).

In Frankreich haben Novarinas sperrige Sprachspielstücke den Weg von der Avantgarde ins Repertoire der altehrwürdigen Comédie Fran­­çaise hinter sich. Hier muss man den 60-Jährigen noch einführen. Hier geht es – unverkennbar – um eine Mission.

«Non sum», sagt Verschuers Figur Anthropoklast bei ihrem ersten Auftritt – «ich bin nicht». Man könnte jetzt meinen, im vatikanischen Privat­theater zu sitzen. Denn es gibt ja wieder Kreise, welche die Rückkehr zur la­teinischen Messe fordern. So häretisch die drei Stunden mit Novarinas «Der rote Ursprung» Herrn Ratzinger auch erscheinen würden – Anthropo­klast könnte man mit «Anhänger der Zerstö­rung des Menschengeschlechts» übersetzen –, um eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2007
Rubrik: Chronik, Seite 45
von Tobi Müller

Vergriffen
Weitere Beiträge
Soll doch der Wind erzählen

Das gängigste Vorurteil über französische Filme lautet: Dort wird immer so viel geredet. Diese Einschätzung hält der filmhistorischen Gesamtbetrachtung nicht unbedingt stand, aber wer die Filme von Eric Rohmer, Jacques Doillon oder Jacques Rivette als «typisch französisch» empfin­det, muss zugestehen, dass es bei aller Unterschiedlichkeit der Regisseure doch diesen...

Den Affen bewahren

Es gibt einen sehr vernünftigen und ungewöhnlich konstruktiven Satz vom größten Pessimisten des 20. Jahrhun­derts, E. M. Cioran: «Wer Angst vor der Lächerlichkeit hat, wird es weder im Guten noch im Bösen sehr weit bringen.» Wer sein Leben lang denselben Job gemacht hat, wird mit dieser Weisheit vielleicht nicht viel anfangen können, und wer seine Sandkastenliebe...

Aus der Welt gefallen

Die Angst, aus dem Zusammenhang zu fallen, plötzlich in der Luft zu hängen, fremd im eige­nen Leben, ist wohl eines der am besten verdrängten und doch mächtigsten Traumata unse­rer hypervernetzten Gesellschaft. Wie besessen klam­mern wir uns an die Fetische der totalen Kommuni­kation, wollen ständig online und erreichbar sein, doch hinter all dem lauert die latente...