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Tim Staffel nach Shakespeare «Richard III.»

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Oft, wenn Tim Staffel einen bekann­ten (Roman-)Stoff bearbeitet («Moby Dick», «Das Schloß» oder «Solaris» zum Beispiel jüngst), hat man den Eindruck, dass er es sich recht einfach macht. Und man fragt sich überhaupt, was das soll, episch komponierte Meis­terwerke in dieser Digest-Form auf die Bühne zu bringen: Das Wiedererkennen reduziert sich auf eine verknappte Handlung, die Figuren, nur behaup­tet und konturenlos, tun ihren Dienst redlich als Erzähler.

Da war man gespannt, wie das Experiment ausgeht, wenn sich Staffel ein Drama vornimmt, um es nicht etwa als Regisseur, sondern als Autor neu zu deuten.

Shakespeares «heuchlerischer Metz­ger», dessen absurd-konsequentes Morden man ebenso angeekelt wie fasziniert verfolgt, scheint für Tim Staf­fel durchaus ein Typ von heute zu sein: als einsamer, seltsam vernunftbegabter, fast schon bedauernswerter Realist steht sein Richard inmitten einer völlig enthemmten Mischpoche, die beherrscht ist vom eigenen Ehrgeiz, verwirrt von ausufernden Machtfan­tasien, getrieben von der Gier nach Geld, wie wir sie zuletzt vor dreißig Jahren auf den Ranches und in den Hochhäusern von Dallas und Denver angetroffen haben. Und exakt die Kari­katuren dieser ...

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Theater heute Dezember 2005
Rubrik: Chronik, Seite 43
von Bernd Noack

Vergriffen
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