Hinter der Jalousie
Im Französischen meint «Jalousie» zweierlei: die Eifersucht und den Lamellenvorhang, der ein Geschehen hinterm Sichtschutz vor fremden Augen verschließt. Mit dieser Doppelbedeutung arbeitet Klaus Weises Inszenierung von Eugene O’Neills «Trauer muss Elektra tragen», für die ihm Manfred Blößer den entsprechenden Raum baute. Einen «Tempel des Todes» soll das Haus der Mannons darstellen – ein gepolsterter Bunker in signalhaft leuchtendem Rot macht sich in den Godesberger Kammerspielen breit.
Sechs Türen führen in den Salon, die, wenn sie sich öffnen, scharfe lange Schatten eindringen lassen. Die Personen bleiben in der Weite dieser Grabkammer isoliert, zudem häufig getrennt von einer Zwischenwand. Größtmöglicher Abstand, um nur ja die Verhältnisse klar zu stellen. Dialoge à la distance.
Eifersucht ist der zentrale Antrieb der Figuren, bezogen auf Vater und Mutter, Sohn und Tochter, Bruder und Schwester und inzestuöse Regungen, die jeden Blutsfremden zum ausgeschlossenen Dritten stempeln. Jalousien wiederum schaffen – besonders im zweiten Teil der auf amerikanische Verhältnisse übertragenen antiken Atriden-Trilogie mit «Heimkehr», «Die Gehetzten» und «Die Heimgesuchten» – eine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Anders als das Fernsehen macht das Radiohören beim Prix Europa ein Geräusch: Es ist das kollektive Blättern, wenn das Publikum gemeinsam die Manuskriptseiten umwendet, um einem lettischen oder georgischen, einem französischen oder russischen Hörspiel zu folgen. Was sich nicht hörend erschließt, dem spürt man auf den Doppelseiten in Originalsprache und englischer...
Aalen scheint sich als Karrieresprungbrett für junge Intendantinnen zu etablieren. Simone Sterr, die im Team mit Ralf Siebelt und Winfried Tobias einfallsreich und mit Erfolg das kleinste und jüngste Stadttheater Deutschlands einem breiteren Publikum öffnete, wurde schon nach drei Jahren weg engagiert ans Landestheater Tübingen. Die Neue ist Katharina Kreuzhage,...
Am Schluss raffen sich alle noch einmal auf für ein Tableau der allgemeinen Beglückung: Der kastrierte Hofmeister hat sein Landmädchen gefunden, die ausgeflogene Jungfer Gustchen kehrt, samt Kind, heim in den Schoß ihrer Adelsfamilie und an die Trauhand ihrer Jugendliebe Fritz von Berg. Man lächelt breit, ein Hauch von Seifenoper weht durch den Raum. Dann aber...
