Aus zweiter Hand
Am Schluss raffen sich alle noch einmal auf für ein Tableau der allgemeinen Beglückung: Der kastrierte Hofmeister hat sein Landmädchen gefunden, die ausgeflogene Jungfer Gustchen kehrt, samt Kind, heim in den Schoß ihrer Adelsfamilie und an die Trauhand ihrer Jugendliebe Fritz von Berg. Man lächelt breit, ein Hauch von Seifenoper weht durch den Raum. Dann aber lassen alle ihre Köpfe auf die Tische sinken. Wenn die Nerven eigentlich zerrieben sind, fällt es schwer, aufrecht und wohlgestimmt für das Jubeltagsfoto zu posieren.
Sie fand unter erschwerten Bedingungen statt, die diesjährige Spielzeiteröffnung am Bremer Haus. Vier Tage vor der Premiere fiel Hauptdarsteller Alexander Rossi mit einem Muskelfaserriss aus. Sein Ersatz in der Titelrolle, Torsten Ranft, lässt ahnen, dass diese Sportlerverletzung nicht von ungefähr kommt. Der Läufer ist hier durchaus wortwörtlich aufgefasst. Von Beginn an wirkt er fiebernd und nervös und lässt die Beine fliegen. Seine Seele gleicht einem Schwamm, den man entsprechend ausdrucksstark auspresst.
Damit befinden wir uns nahe beim «Lenz» von Büchner mit seinem Interesse an der zerrütteten, manischen Existenz des Dramatikers. Ganz analog fasst ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es gibt da diese eine These, die man im letzten Jahr mehr und mehr hörte, sobald die Rede auf Fernsehen und Kino, auf Stars und TV-Sternchen kam. Das Fernsehen sei mittlerweile interessanter, wenn nicht gar «besser» als das Kino. Noch hat diese These mehr den Status eines Gerüchts; man hört das immer wieder, aber man weiß nicht so recht, ob es nun wirklich stimmt....
Schule der Hysterie
Das Scheitern künstlerischer Ehen ist nichts Ungewöhnliches, vor allem wenn sich die Partner nie besonders innig verstanden haben. Als vor fünf Jahren Thomas Ostermeier in die Schaubühne einzog und das Tanztheater von Sasha Waltz dazu stieß, ging es weder um künstlerische Genreüberschreitung noch um gemeinsame Projekte, sondern um eine...
Es hätte so schön werden können, und so gut war es gemeint: Theater für die ganze Familie! Mit A-Schauspielern, einem A-Regisseur, einer A-Autorin! Musik! Ein Klassiker, 400 Jahre alt! Und eine frohe Botschaft: Lebe deine Träume! Die Weihnachtszeit ist ja auch nicht mehr fern, nur noch ein Vierteljahr, und in den Supermärkten liegen schon die Lebkuchen.
Dass sich...
