Wadenbisse ins Leere

Sorgen, die man gerne hätte: die Oscar-Wilde-Verfilmung «A Good Woman – Sommer in Amalfi» mit Helen Hunt und Scarlett Johannsson

Theater heute - Logo

Denken Sie nur: Schöne Frauen, die den ganzen Tag einkaufen, Geburts­tagsmenüs planen («Was heißt nochmal ‹Hummer› auf italienisch?») oder von der Liebe reden! Und Männer mit viel Geld, die diese Frauen auf Händen tragen und ihnen kostbare Armbänder aufdrängen. Dazu die etwas weniger schönen Frauen, die aber teuer zurechtgemacht sind und sich für den Rest mit Klatsch und Tratsch entschädigen. Sowie jeweils eine Außenseiterin, der man unterstellt, dass sie einen der Männer ... Und dann gibt es eine Verwirrung. Ach.

 

Vermutlich hat es noch nie eine Gesellschaft gegeben, die von einem Salonstück wirklich abgebildet worden wäre. Aber schon immer mag es angenehm gewesen sein, sich, wenn sonst nichts anlag, von der Konstruktion, scheinbaren Dekonstruktion und schließlichen Versicherung dieser Verhältnisse unterhalten zu lassen. Je nach Autor fällt das dann eher burlesk, pikant oder geistreich aus. 

Oscar Wilde gehört eindeutig zu den Geistreichen. Das geht immer nur so pingpong in seinen Stücken, und einen kleinen freigeistigen Triumph über die Moralvorstellungen der viktorianischen Gesellschaft, in der er gelebt hat, gibt es jeweils auch. Ohne diesen Kontext sind Wilde-Dramen weitgehend ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2005
Rubrik: Medien/TV, Seite 71
von Petra Kohse

Vergriffen
Weitere Beiträge
Langeweile und Ekstase

Anders als das Fernsehen macht das Radiohören beim Prix Europa ein Geräusch: Es ist das kollektive Blättern, wenn das Publikum gemeinsam die Manuskriptseiten umwendet, um einem lettischen oder georgischen, einem französischen oder russischen Hörspiel zu folgen. Was sich nicht hörend erschließt, dem spürt man auf den Doppel­seiten in Originalsprache und engli­scher...

Erobern, nicht bedienen

Es gibt da diese eine These, die man im letzten Jahr mehr und mehr hörte, sobald die Rede auf Fernsehen und Kino, auf Stars und TV-Sternchen kam. Das Fernsehen sei mittlerweile interessanter, wenn nicht gar «besser» als das Kino. Noch hat diese These mehr den Status eines Gerüchts; man hört das immer wieder, aber man weiß nicht so recht, ob es nun wirklich stimmt....

Marke Neureich

Oft, wenn Tim Staffel einen bekann­ten (Roman-)Stoff bearbeitet («Moby Dick», «Das Schloß» oder «Solaris» zum Beispiel jüngst), hat man den Eindruck, dass er es sich recht einfach macht. Und man fragt sich überhaupt, was das soll, episch komponierte Meis­terwerke in dieser Digest-Form auf die Bühne zu bringen: Das Wiedererkennen reduziert sich auf eine verknappte...