Im Provisorium
Es fällt schwer, nicht bei allem, was das Volkstheater Rostock derzeit produziert, sogleich den beklemmenden Doppelsinn zu vernehmen. Das war schon so beim Spielzeitauftakt im September 2014 mit Wilhelm Dieter Sieberts Mitmach-Oper «Untergang der Titanic», die mit ChoristInnen in Totenkopfmasken eine weitere Saison Existenzkampf in kulturpolitisch schwerer See erahnen ließ.
Und wer könnte umhin, Molières «Der Geizige» als übermächtigen Fingerzeig aufzufassen auf eine Kulturpolitik, die seit 1994 in ganz Mecklenburg-Vorpommern den Theatern den Geldhahn abdreht (sprich: die Landeszuschüsse deckelt)? Nach Dekaden des Schlanksparens bis zur Dürre folgt jetzt der Spartenabriss: «Der zerbrochne Krug».
«Der moderne Tod» nach Carl-Henning Wijkmark ist auch so eine Spielplanposition, die in der gegenwärtigen Situation kaum anders denn als kulturpolitische Parabel zu lesen ist. Ein «Symposium» zum Thema «Der letzte Lebensabschnitt» ist in diesem Stück anberaumt. An einem großen Rundtisch sitzen die Akteure und einzelne Zuschauer mittenmang. Sewan Latchinian, nicht nur Regisseur, sondern an diesem Abend auch Darsteller, kommt als Ministerialdirektor Persson im Rollstuhl zum «Impulsreferat» ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Start Rostock, Seite 40
von Christian Rakow
Junge Menschen, die sich von Alkohol oder Adrenalin oder Sex berauscht aus dem fahrenden Auto lehnen, so weit, dass sogar der Hintern über die Türe rutscht: Das war das Lieblingsbild des deutschen Kinos auf der diesjährigen Berlinale. Mit seinen ikonischen Dimensionen – Geschwindigkeit, Spaß, Freiheit, Kontrollverlust, Gefahr, Unvernunft, kurz: maximaler...
Lars Eidinger und Shakespeare, das ist mittlerweile: eine Popstargeschichte. 233-mal, vermerkt ehrfürchtig der nicht eben Theater-affine «Spiegel», dem «Richard III.», nein: Eidinger!, sogar eine Vorberichterstattung wert war, 233-mal hat er Hamlet gespielt, weltweit. Immerhin sei er ja, sagt der «Spiegel», sage Lars Eidinger, nicht weniger als «der beste...
Der Exzentriker trägt einen rotseidenen Hausmantel zu schwarzen Kniestrümpfen und Schnallenschuhen. Vor Gericht aber verteidigt er sich eloquent, mit jedem Wort um Genauigkeit ringend: Hier soll kein Missverständnis aufkommen darüber, wer der Angeklagte ist und wer der Kläger. Der Schriftsteller und Lebemann Oscar Wilde verklagte 1895 den Vater seines Geliebten...
