Glück der Nische

Die Entdeckung der Currywurst» könnte zuallererst zur Wiederentdeckung der Barbara Sukowa für das deutsche Kino werden. Sie spielt die Hauptrolle in Ulla Wagners Verfilmung der gleichnamigen Novelle von Uwe Timm. Dass sie das tut, ist schon eine Überraschung; denn so wenig vom Neuen Deutschen Film, oder sagen wir gleich: von Fassbinder geblieben ist, so wenig haben die Schauspieler nachgewirkt, die dieses Kino geprägt haben.

Theater heute - Logo

Wie sie das tut, ist die noch größere Überraschung. Wo Hanna Schygulla immer weiter ins Ätherische driftet, wie ihr Auftritt in Fatih Akins letztjährigem Melodram «Auf der anderen Seite» anschaulich macht, steht Barbara Sukowa mit beiden Beinen auf dem Boden. Und lacht dabei. Groß geworden nach Fassbinder ist sie in Filmen von Magarethe von Trotta, «Die bleierne Zeit» und «Rosa Luxemburg», in denen sie Frauen spielte, deren Strenge aus der Kompromisslosigkeit resultierte, das politische Denken auch gegen sich selbst in ein Handeln zu übersetzen.


 

Glanz der Spielfreude

In «Die Entdeckung der Currywurst» darf Barbara Sukowa nun eine Figur spielen, die einen pragmatischeren Umgang mit dem Kategorischen am politischen Imperativ pflegt: Ihre Lena Brücker hat sich arrangiert mit dem Umstand, dass sie die Nazis ablehnt, ohne sich mit den Nazis zu arrangieren, unter denen sie leben muss. Sie taucht weg und schmuggelt heraus was die Küche, in der sie arbeitet, hergibt. Eine unabhängige Frau, die auf sich gestellt ist und allein ihren Gefühlen folgen kann, weil Mann und Sohn im Krieg sind. Eine selbstbewusste Frau, die die Arbeit eines Mannes verrichtet, von der sie erst durch dessen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Das könnte Sie auch interessieren:
Die Kunst des Zeitsprungs - Barbara Sukowa im Gespräch


Theater heute August/September 2008
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Matthias Dell

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wer wird Millionär?

Doch, doch, sie haben was zu bieten, die Herren Heiratskandidaten. In einer Reihe sind die vier mit ihren blumengeschmückten Gabentischen und Sonntagsanzügen an die Rampe der Kammerspielbühne vorgerückt: der grobschlächtige Chauffeur Karl (Edmund Telgenkämper), der deutschnationale Frauenhasser Müller (Jochen Noch), der speckig-wendige Kellner Max (Peter...

Im Fremden bei sich

Ist das Fremde mir bekannt/ So wird dafür mir, was bekannt, ein Fremdes», sagt Jason in Grillparzers «Goldenem Vließ», als er Medea seine Liebe gesteht. «Ich selber bin mir Gegenstand geworden.» Sich selbst aus der Perspektive des Fremden sehen und so sich selbst erkennen – so könnte man Karin Beiers Spielzeitrezept formulieren, das sie den Kölnern im ersten Jahr...

Rimini ist überall

Das Wichtigste zuerst: Luc Bondy macht weiter. Der Vertrag des Wiener Festwochenintendanten wurde um weitere drei Jahre, bis 2013, verlängert. Bekannt gegeben wurde die Personalie mitten im Trubel der Festwocheneröffnung und kurz vor dem Pfingstwochenende – der ideale Zeitpunkt, wenn man sich öffentliche Diskussionen ersparen will. Tatsächlich wurde die...