Im Fremden bei sich
Ist das Fremde mir bekannt/ So wird dafür mir, was bekannt, ein Fremdes», sagt Jason in Grillparzers «Goldenem Vließ», als er Medea seine Liebe gesteht. «Ich selber bin mir Gegenstand geworden.» Sich selbst aus der Perspektive des Fremden sehen und so sich selbst erkennen – so könnte man Karin Beiers Spielzeitrezept formulieren, das sie den Kölnern im ersten Jahr ihrer Intendanz verordnet hat. Ihre Inszenierung der Grillparzer-Trilogie ist der vorläufige Höhepunkt dieses Konzepts.
«Misslungen» sei das Werk, meinte Grillparzer selbst 1822 über «Das Goldene Vließ».
Und lange wurde es kaum gespielt. Tom Lanoyes «Mamma Medea» von 2002, die auf den hellenistischen Argonauten-Roman des Apollonius von Rhodos zurückgriff und so, wie Grillparzer, die Vorgeschichte des Medea-Mythos nachlieferte, und Stephan Kimmigs Burgtheater-Inszenierung von 2004 brachten dann eine Welle von Inszenierungen in Gang. Man begriff, welch brisante Modernität in diesem ungeliebten Monstrum eines in Deutschland fast vergessenen Klassikers liegt. Die allseits bekannte «Medea» des Euripides zeigt ein Ehedrama, in dem Medeas fremdländische Herkunft eine Komplikation unter anderen ist. Erst wenn Medeas Geschichte von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Klaus Michael Grüber starb am 22. 6. 2008 in Le Palais auf der bretonischen Insel Belle-Île-en-Mer, gerade eben 67 Jahre alt geworden, geboren am 4. 6. 1941 im schwäbischen Neckarelz. Die Todesanzeige nennt ihn Regisseur und Ritter der französischen Ehrenlegion. Zwei Brüder und eine Schwester haben unterzeichnet, dazu die Lebensgefährtin. «Seine Asche haben wir am...
Philip Seymour Hoffman ist eine der markantesten Erscheinungen Hollywoods. Mit Bierwampe, Fünfzehn-Tagebart und schnoddriger Nuschelstimme verkörpert er eine fast schon anachronistisch wirkende Schauspielerfigur: den Charakterdarsteller, der sich mit Rollen in Filmen wie «Happiness» oder – oscargekrönt! – «Capote» immer eher für die intellektuelleren Ecken des...
Sabine Heymann «Gomorra» ist als Theaterstück von Ihnen und Roberto Saviano vierhändig verfasst worden, auf der Basis von Savianos Erfahrungsbericht und Bestseller «Gomorrha». Sie sind Freunde, woher kennen Sie sich?
Mario Gelardi Roberto ist 12 Jahre jünger als ich, er ist 28. Wir haben uns durch Zufall kennengelernt, als ich mich selber mit der Camorra...
