Wer wird Millionär?
Doch, doch, sie haben was zu bieten, die Herren Heiratskandidaten. In einer Reihe sind die vier mit ihren blumengeschmückten Gabentischen und Sonntagsanzügen an die Rampe der Kammerspielbühne vorgerückt: der grobschlächtige Chauffeur Karl (Edmund Telgenkämper), der deutschnationale Frauenhasser Müller (Jochen Noch), der speckig-wendige Kellner Max (Peter Brombacher) und der garten-zwerghafte Freiherr von Stetten (Stefan Merki), den die pralle Selbstgefälligkeit gleich gefühlte zwei Köpfe größer macht.
Seit sie wissen, dass die Christine (Lena Lauzemis) nicht nur ein liebes Mädel, sondern auch reiche Erbin ist, halten sie mit Sekt und Pralinen um ihre Hand an – auch wenn es keiner so herrlich direkt gesagt hat wie Christines verflossener Liebhaber, der verkrachte Künstler Strasser (Thomas Schmauser): «Ich liebe dich, weil du 10.000 Mark hast!»
Und was macht die engelsgleiche Christine? Sie zieht den rechnenden Kerlen einem nach dem anderen Schuhe und Socken aus, wäscht ihre Füße und trocknet sie mit ihrem grade mal schulterlangen Haar. In aller Seelenruhe. Mit dieser biblischen Fußwaschung frühmorgens und am Ende von Horváths böser Inflationskomödie «Zur schönen Aussicht» von 1926 ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Klaus Dermutz Herr Ganz, können Sie sich noch erinnern, was Sie empfanden, als Sie Klaus Michael Grüber zum ersten Mal trafen?
Bruno Ganz Ich weiß gar nicht mehr, welche Begegnung wirklich die erste mit Klaus war. Vermutlich habe ich ihn zum ersten Mal auf der Bühne als Darsteller in Bremen gesehen. Ich erinnere mich an einen Lichtkegel, der auf einen kleinen...
In den Landschaften nördlich von Griechenland müssen die Leidenschaften so dionysisch sein, dass man es dem Personal von «Was ihr wollt» nicht verübeln kann, wenn es sein Heil im Komasaufen sucht. Nach den gelungenen Inszenierungen von Lars von Triers «Idioten» (Heidelberg) und Ewald Palmetshofers «wohnen. unter glas» (Wien) hat Sebastian Schug nun mit Shakespeares...
Klaus Dermutz Herr Stein, von Klaus Michael Grübers «Sturm» 1969 in Bremen waren Sie nicht angetan?
Peter Stein Nein, seinen «Sturm» fand ich nicht so toll, ein bisschen fantasievoll, ein bisschen verrückt. Diese Einschätzung kommt natürlich auch daher, dass ich Regisseur bin und vom «Sturm» andere Vorstellungen habe. Auch waren die schauspielerischen Leistungen...
