Gesellschaft mit beschränkter Freiheit

Im Schauspiel Köln nimmt SIGNA den Zuschauer bei einer Kafka-Performance in Haft,und Viktor Bodó aus Budapest wundert sich stumm über «Der Mann an Tisch 2». Von Andreas Wilink

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Denkmalgeschützt ist der Komplex der ehemaligen Kölner KFZ-Anmeldestelle gewiss nicht. In seiner Verkommenheit und der Aura des Exterritorialen lag für SIGNA der Reiz, den mehrstöckigen Riegel aus Ziegeln und Beton mit bröckelnden Kanten und heruntergelassenen Jalousien für eine Performance-Installation umzuwidmen – die dritte von Signa & Arthur Köstler sowie Thomas Bo Nilsson am Schauspiel Köln. Es riecht nach Tod und Verwesung an der Her­kulesstraße. Der süßliche Gestank legt sich als Duftnote über die Wartenden.

Eine Zugabe, verursacht durch die metaphorisch bedenkenswerte Nähe zum Schlachthof im Stadtteil Ehrenfeld. «Wie ein Hund» ergehe es ihm, durchzuckt als letzter Gedanke Josef K., bevor ihn das Messer seiner Henker durchbohrt. Entsprechend werden wir ab und an hinter den Fenstern Gebell hören. Aber wir Delinquenten kommen, anders als K., nach sechs Stunden heil davon. «Die Hundsprozesse» haben uns nur ganz zwanglos vereinnahmt.

Das Mitmach-Theater beginnt am Einlass zum «Vorläufigen Basalgericht». In Reih und Glied, sieben eingezeichnete Linien am Boden entlang, müssen die Zuschauer in wahlloser Sortierung: warten. Das wird auch ihre Haupttätigkeit bleiben. Warten und ...

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Theater heute Juni 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 32
von Andreas Wilink

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