Utopie war gestern

Thomas Freyer «Das halbe Meer» (U, Kleines Haus, Staatsschauspiel)

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Ausgerechnet eine Frau mit Namen Schlicht bringt die Utopie von gestern zu Fall. Dabei hatte doch alles ein paar Jahrzehnte lang gut funktioniert. Auf einer einsamen Insel haben sich ein paar Gleichgesinnte zusammengefunden, die auf Geld verzichten, einander bei allen täglichen Verrichtungen helfen und ganz bescheiden von Ackerbau und Viehzucht leben. Was man unbedingt von außen braucht, besorgt sich die aufrechte Selbstversorger-Gemeinde von vorbeifahrenden Schiffen, die dafür ihren Proviant aufbessern.

Erst als ein Fremder mit individualistischen Anwandlungen auftaucht, die Eifersucht unter den beiden Insel-Jugendlichen wächst und plötzlich auch noch die Schiffe ausbleiben, wird die Situation langsam kritisch.

Als eben jene Frau Schlicht dann auch noch ihre Machtgelüste entdeckt und mit etwas Geld
und Intrigen die schöne Gleichheit wegputscht, bricht alles zusammen. Thomas Freyer hat mit «Das halbe Meer» eine munter brechtelnde DDR-Parabel geschrieben, die sich ein altfränkisches Märchen-Deutsch strickt, auf rumpelnde Songs nicht verzichtet und am Ende alle Schuld am Scheitern einer wildgewordenen Kleinbürgerin auflädt. So erfährt die Welt endlich, woran die beste aller Welten ...

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Theater heute Juni 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Franz Wille

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