Am Grund der Wörter

Pariser Tiefenbohrungen: Serge Valletti geht zurück in ein dunkles Kapitel französischer Geschichte, Valère Novarina schraubt sich tief in die Sprache, und Patrice Chéreau taucht noch einmal ein in den düsteren Kosmos von Bernard-Marie Koltès. von Andreas Klaeui

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Se souvenir, drôle d’idée», sagt der Ingenieur am Schluss: Sich erinnern, was für ein sonderbarer Gedanke. Am 17. August 1893 haben in den Salinen von Aigues-Mortes in Südfrankreich eine Meute von Franzosen acht Italiener gelyncht.

Es war vieles zusammengekommen, harte Arbeitsbedingungen, denen sich die italienischen Reisbauern besser anpassten als die nordfranzösischen Tagelöhner, chauvinistische Rivalitäten zwischen den 2000 Franzosen und 1000 Italienern, ein banaler Anlass: Einer der Italiener habe seine Hose in Trinkwasser gewaschen, und die Geschichte hatte weitreichende diplomatische Folgen. Noch Mussolini soll Hitler anvertraut haben, das erste, was er in Frankreich tun werde, sei Aigues-Mortes niederzuwalzen. Wenige Wochen nach dem Pogrom wurden die Anführer samt und sonders freigesprochen; nur eine Person musste Buße bezahlen, genau zehn Francs: ein gewisser Georges Fournier, der sich nicht entschließen konnte, sein Gartentor zu öffnen, um die bedrohten Italiener einzulassen.


    Vergangenheitsbewältigung als traurige Komödie

Keine glorreiche Geschichte, und in Frankreich ist sie erfolgreich vergessen und verdrängt. Erst in jüngster Zeit haben Historiker die Fakten wieder ...

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Theater heute Juni 2011
Rubrik: Ausland, Seite 38
von Andreas Klaeui

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