Hülle und Fülle

Was hat das Außen eines Theaters mit seinem Innen zu tun? Warum sehen Theater und Bühnen so aus, wie sie aussehen? Was bedeutet es für die Künstler und das Publikum? Und wie könnte es anders sein? von Martin Zehetgruber

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In den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts wollte sich auch Sydney eine Oper gönnen. Unter den 233 eingereichten Entwürfen erhielt der international unerfahrene dänische Architekt Jørn Utzon 1957 den Zuschlag. Obwohl es ursprünglich keine finanziellen Beschränkungen gab, führten enorme Kostensteigerungen und künstlerische Differenzen, gerade auch über die Innenausstattung, zum Bruch, und Utzon verließ das Land. Dennoch ist das Opernhaus von Sydney eines der bekanntesten Gebäude der Welt.

Doch so genial das Haus von außen gelang, seien nun weiße Segel oder Orangenspalten die Inspirationsquelle, so enttäuschend ist das Innenleben: in den insgesamt fünf Theaterräumen mit 5532 Sitzplätzen herrschen Plüsch und Konvention.

Damit ist das Opernhaus in Sydney eines der prominentesten Beispiele dafür, wie zwiespältig der Anspruch des Theaterbesuchers, zeitgemäße Theaterkunst in zeitgemäßem Ambiente zu erleben, erfüllt wird: Er betritt das Haus, vom Zeitgeist beschwingt, gibt die Garderobe im gestylten Foyer ab, um die Welt, in der er lebt, hinter sich zu lassen. Dann setzt er sich in einen Theatersessel im Stil des vorvorigen Jahrhunderts, und sein Auge schweift über geglättete Nachfahren ...

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Theater heute Juni 2011
Rubrik: Theaterbauten, Seite 4
von Martin Zehetgruber

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