Glück entlaufen
Die Buchstaben sagen nichts und strahlen dennoch Bedeutsamkeit aus. 13 Stück sind es, lebensgroß. In der Lichtinstallation (Bühne: Raimund Bauer) Sinn und Ordnung zu erkennen, gar eine chiffrierte Botschaft zu entschlüsseln, zählt zu den anspruchsvolleren Denksportaufgaben dieses 50 Minuten kurzen Theaterabends. Man kann die Leuchtlettern gruppieren, je nach Blickwinkel, zu «Hirn» und «Her», «Ehe» und «Hint», wohl auch zu «erinnert». Doch das Rätsel löst sich nicht, eine sinnlose Restmenge bleibt.
Damit ist schon einiges über Laura de Wecks drittes Theaterstück gesagt. «Für die Nacht» spielt im Nirgendwo, im unbestimmten Raum zu unbestimmter Zeit. Es geht um einen
Mann, der im Rollstuhl sitzt: Vincent Leittersdorf schiebt einen leicht herrischen Tonfall
vor sich her, da hadert ein Mensch damit, dass er dauerhaft auf fremde Hilfe angewiesen ist. Mit seinem Sohn (Benjamin Kempf) reicht es kaum zum Austausch von Belanglosigkeiten: Emotional stehen sie sich so nah wie Fremde, die einander auf einer engen Treppe rempeln und anraunzen – also so nah wie Vali, die Pflegerin (Katharina von Bock), und der Penner (Martin Hug). Dass sich diese beiden Szenen auf der Bühne parallel abspielen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2011
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Stephan Reuter
So schön wäre es, jemand anderes zu sein! Strategien zur Änderung des Lebens präsentieren zwei Zürcher Premieren: Am Schauspielhaus inszeniert Chefin Barbara Frey Anton Tschechows «Platonow». Für das Theater Neumarkt stellt Co-Leiterin Barbara Weber Luigi Pirandellos «Die Nackten kleiden» in einem Nachtclub auf die Bühne. Unzufrieden ist das Personal, dem sich die...
Ausgerechnet eine Frau mit Namen Schlicht bringt die Utopie von gestern zu Fall. Dabei hatte doch alles ein paar Jahrzehnte lang gut funktioniert. Auf einer einsamen Insel haben sich ein paar Gleichgesinnte zusammengefunden, die auf Geld verzichten, einander bei allen täglichen Verrichtungen helfen und ganz bescheiden von Ackerbau und Viehzucht leben. Was man...
Sachen, Maschinen und Parteien gibts, für die werden einfach keine Theaterstücke geschrieben. Ausnahmen bestätigen die Regel: Der Regisseur Philippe Quesne hat der bislang sträflich im Hintergrund belassenen «Technik» ein höchst klangvolles «Pièce pour la technique du Schauspiel de Hanovre» geschrieben. Eine Amour fou zwischen Drehbühne und Schnürboden? Aufstieg...
