Gegen rechts ist immer richtig
Auch im lauschigen Elbtal ist der junge Herr Woyzeck nicht zu beneiden: Nachdem er den Kinderwagen – ein sicher nicht ganz billiges Modell in Camouflage-Optik – aus seinen überschaubaren Gelegenheitseinkünften bereits eigenständig finanziert hat, muss er ihn jetzt auch noch allein durch die Dresdner Innenstadt schieben.
Und das ist wahrlich kein Spaß, führt der Weg doch entlang an einem erschlagenden Frauenkirchen-Konterfei vor Schäfchenwolken, Abteilung «Naive Malerei», an Kleingärten mit sorgfältig verschnittenen Obstbäumen, einem keimfrei eingekachelten Elbersatz-Rinnsal und weiteren Kleinbürger-Insignien, die in ihrer Gesamtheit selbst ein prächtiges Deko-Element für Spießerschrankwände ergeben: Bühnenbildnerin Cary Gayler hat die Heiligtümer der Gartenzwergfraktion so angeordnet, dass das Szenario wie eine jener Souvenirbuden-Halbkugeln aussieht, in denen es schneit, wenn man sie ordnungsgemäß schüttelt.
«Ich bin der Holger»
Was Wunder, dass man in diesem Ambiente auf Schritt und Tritt fidelen Senioren mit schlecht sitzenden Badehosen oder Michael-Ballack-Shirts begegnet, die im Takt zu Recht vergessener Ostschlager unisono ihre Nordic-Walking-Stöcke schwingen. Und ...
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Die Gestalt, die da mit dem Rücken zum Publikum an der Brandmauer steht, während die anderen sich auf der Bühne formieren und wie aus einer Probensituation heraus auch schon zu reden beginnen, ist die spannungsvollste von allen. Obwohl man ihr Gesicht noch lange nicht sehen wird, begreift man sofort: Die Frau, die mit unruhigem Kreidestrich irgendwelche...
