Nah an den Nerven
Die Gestalt, die da mit dem Rücken zum Publikum an der Brandmauer steht, während die anderen sich auf der Bühne formieren und wie aus einer Probensituation heraus auch schon zu reden beginnen, ist die spannungsvollste von allen. Obwohl man ihr Gesicht noch lange nicht sehen wird, begreift man sofort: Die Frau, die mit unruhigem Kreidestrich irgendwelche Amazonen-Hieroglyphen an die Wand malt, dass es nur so knirscht, die nervös mit den Reitstiefeln scharrt, die förmlich vibriert vor Spieltrieb und Erwartungslust – muss Kleists Penthesilea sein.
Die Frau, die die schärfsten Widersprüche in sich vereint, unbändigen Hass auf die Griechenmänner und maßlose Verliebtheit in deren Supermann Achill, Zärtlichkeit und Blutdurst, Furor und Grazie. Aus Gustav Schwabs Sage kennen wir die jugendfreie Version des Konflikts, die Amazone, die sich selbst überschätzt und am starken Mann scheitert. Achill darf sich erst in die tote Frau verlieben. Nichts davon bei Heinrich von Kleist: Hier prallen die Gegensätze ungehemmt aufeinander, bis hin zum unerhörten Ereignis der Verwandlung einer begehrenden Frau in einen Hund, der sein Opfer bei lebendigem Leib zerfleischt.
Dominanz nach Belieben
Die ...
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Ich muss Frank Kroll Recht geben – mit einer Ausnahme: der waghalsigen «These», Autoren subventionierten Theater. Ein Stückauftrag wird üblicherweise mit ca. 7.500 Euro plus Tantiemen bei garantierter Vorstellungszahl entlohnt; ich überlasse jedem nachzurechnen, wie lange sie oder er bei welcher Wochenstundenzahl dafür arbeiten muss.
Ansonsten hat er Recht: Die...
Wellmade Plays hat die 24-jährige Gerhild Steinbuch aus Mödling bei Wien nie geschrieben; knackige Dialoge oder spannende Situationen sind nicht ihr Ding. Ihre Figuren sind so fragil gezeichnet, dass sie kaum zu fassen sind; ihre Sprache ist so verknappt, dass man den Subtext schon sehr genau mitlesen muss. Das macht einerseits die Faszination aus, die von diesen...
