Fremd im eigenen Fell
Das 20. Jahrhundert ist zu Ende, doch an der Last dieses wirren Zeitalters tragen wir noch immer, an seinem Nachlass aus politischen und religiös-fundamentalistischen Ideologien, am Erbe von Kriegen, Revolutionen und Diktaturen, an mörderischer Gewalt und neuen globalen Gefahren. Die Epoche von Verdun und Stalingrad, Auschwitz und Gulag, Hiroshima und Tschernobyl hat in uns und um uns Spuren hinterlassen.
Der Geschichte kann man nicht entkommen. So wenig wie die Figuren dem letzten Krieg in Fritz Katers neuem Theatertext «I’m searching for I:N:R:I».
Er nennt ihn im Untertitel «eine kriegsfuge», obwohl nur eine der drei Zeitebenen des Stücks das unmittelbare Geschehen der Jahre vor und während des Zweiten Weltkrieges abbildet. Die beiden anderen Teile des Genrehybrids aus Agententhriller, Melodram und Film noir spielen im deutschen Wirtschaftswunderland der 50er Jahre und im Westberlin der Vorwendezeit 1989. Kater umreißt diese Zeitspanne nicht in linearer Chronologie, sondern montiert sie mit Vorgriffen und Rückblenden ineinander: Der Krieg hat sich in die Körper, Köpfe und Herzen der handelnden Personen eingeschrieben. Leben bedeutet für sie, die Fortsetzung des Krieges mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 182
von Carmen Wolfram
Wir hatten ja auch gute Jahre», sagt in Ralf Rothmanns Roman «Milch und Kohle» die Mutter der Hauptfigur Simon. Die Beckmann-Geschwister, die zu viert bzw. zu fünft eingerechnet den Sohn von Maja selbst eine schöne Rothmann-Collage entwickelten und damit vor allem rundum im Revier gastierten, hatten und haben, nehme ich an, viele gute Jahre miteinander.
Lina...
Schon der Titel spendet wenig Trost. Er umarmt nicht, gibt keinen Halt, leitet nicht hinein in Emotionen, Identitäten, Welt. Stattdessen: Draufsicht. «3.31.93». Mehr nicht. Ein Zahlencode vielleicht, ein Datum möglicherweise, vor allem aber eine mathematische Formel für die Dramenkonstruktion: drei Teile mit jeweils 31 Szenen. Macht zusammen 93 Augenblicke. Fast...
A
Miguel del Arco
Helena – Plädoyer für eine Schlampe
(Theater Biel Solothurn)
Ayad Akhtar
Geächtet (Disgraced)
(Schauspielhaus Hamburg)
Mattias Andersson
Acts of Goodness
(Theater Radebeul Landesbühnen Sachsen)
B
Alexandra Badea
Zersplittert (Schauspielhaus Graz)
Brigitte Buc
Hundswetter (Komödie am Kurfürstendamm)
C
Pamela Carter
Was wir wissen (Theater...
