Fragen der Politik
Zu den großen Selbstzweifelfragen des an Selbstzweifeln aktuell nicht armen deutschen Stadttheaters gehört diejenige, wie viel politische Realität unsere Repertoirestücke eigentlich noch atmen, wie sehr sie über die Grenzen des Theaterraums hinausdrängen, wie stark sie in aktuelle Belange hineinlauschen und, bewahre, vielleicht gar zurückstrahlen. Auf ähnlich wuchtige Resonanzen, wie sie die westdeutsche Bühne der 1960er und 1970er Jahre oder die diktaturkritischen Arbeiten der DDR noch auslösten, muss man dabei selbstredend nicht hoffen.
Das Theater kann nur so stark vibrieren wie die Wirklichkeit, in der es aufgehängt ist. Aber es ist allemal etwas wert, wenn es seine eigenen Selbstzweifel mit einiger Verve vorbringt.
So in der jüngsten Polittheaterbesinnung, die Jette Steckel mit Jean-Paul Sartres Filmdrehbuch «Das Spiel ist aus» am Deutschen Theater Berlin unternommen hat. Das Publikum ist auf der Drehbühne des Deutschen Theaters platziert. Der riesige leere Saal des Hauses wird zur Spielfläche. «Tja, wir sind wohl zu Abonnenten geworden», sagt Ole Lagerpusch und lässt sich in seinen Parkettsessel zurückfallen. Lagerpusch ist der politische Aktivist Pierre, der soeben ermordet ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Christian Rakow
«Nullzeit», da ist sich Jola sicher, «ist die Zeit, die man unter Wasser verbringen darf.» Was so nicht stimmt, weshalb Tauchlehrer Sven sofort korrigiert: «Nullzeit ist die Zeitspanne, die ein Mensch in bestimmter Tiefe tauchen kann, ohne sich bei der sofortigen Rückkehr an die Oberfläche einen runterzuholen.» Äh, Moment. Das war jetzt ein Freudscher Versprecher,...
Es gibt ein Tabuwort im Großgespräch, das – mit zunehmendem Crescendo zwischen November und Anfang Februar – in der Theatertreffen-Jury geführt wird. Das Wort heißt «Tableau» und bezeichnet das Gesamtergebnis der letzten Jurydiskussion: das Programm, das alljährlich im Mai die Theatersäle in Berlin füllen soll. Auf das Tableau soll eigentlich kein einziger Gedanke...
TH Herr Reichel, Herr Carp – Sie kommen beide von Theatern, die vor drei Jahren zum Theatertreffen eingeladen waren. Was hat die Jury denn dieses Jahr in Schwerin und Oberhausen übersehen?
Peter Carp Wir waren leider etwas zu spät mit dem australischen Regisseur Simon Stone und dessen spannender «Orestie». Stone haben wir als erstes europäisches Haus produziert....
