Endstation Kaufhaus
Die Geschichte beginnt an einer tristen Currywurstbude, die Bühnenbildnerin Maria-Alice Bahra mit schönem Realismus auf die Bühne des Großen Hauses in Hannover gebaut hat. Davor lungern die üblichen Verdächtigen, unsichtbare Gestalten, die Balladensänger der Straße, deren Antlitz man sofort vergisst, wenn man ihnen doch einmal zufällig in die Augen blickt.
Alles angerichtet für ein bitterböses Verlierermärchen? Der Schein trügt. Der Bühnenrealismus bleibt Staffage für eine Musicalfassung vom Kleine-Leute-Glück.
Ass (Sebastian Schindegger) ist entlassen worden, tritt mit schlecht sitzendem Sakko als Straßenbarde an die Rampe, während der böse Chef (Wolf List) im Hintergrund die hübsche Ehefrau (Katharina Uhland) verführt. Immer wieder die Flucht in Rocksongs. Begleitet von der Band und der scharfen Currywurstverkäuferin Cat (Johanna Bantzer) zieht er eine große Nummer auf, die fortan die «Melodien für Milliarden» spielt. Unterstützt von Unmengen Bühnennebel und allerhand Showeffekten reißen die Popbarden das Publikum mit bis zum finalen Großauftritt in einem Kaufhaus als Endstation Sehnsucht, als ultimatives Ziel des Verlierer-Glücks.
Regisseur Florian Fiedler setzt an diesem Abend ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Alexander Kohlmann
Es gibt Baugeschichten wie in Hamburg und Stuttgart, wo man eine Elbphilharmonie und ein saniertes Schauspielhaus wollte, bis heute aber nur auf Baustellen verweisen kann. Dass es auch anders geht, sieht man derzeit in Heidelberg. Dort wurde der Neubau eines Theaters in der veranschlagten Zeit und im Kostenbudget durchgeführt. Und das, obwohl alles mit einer...
Selten hat in Berlin eine Kuratorin die Gemüter so schnell gespalten wie die Belgierin Frie Leysen. Und das, obwohl ihr Festival «Foreign Affairs» nur einen Monat dauerte und im nächsten Jahr, wenn Leysen für die hochdotierten Wiener Festwochen arbeitet, schon wieder eine andere Handschrift tragen wird. Für ein einmaliges Zwischenspiel fiel die Reaktion heftig aus:...
«Shakespeare. Spiele für Mörder, Opfer und Sonstige» nennt Dimiter Gotscheff seine neueste Inszenierung. Mörder und Opfer bei Shakespeare sind bekanntlich ein weites Feld – aber Sonstige? Mal sehen, hoffentlich nicht unter Sonstiges.
Wenn Thomas Schmauser auf der Bühne von 1 bis 52 zählt (derzeit an den Münchner Kammerspielen in «Gesäubert» von Sarah Kane),...
