Emotionale Beschädigungen
Irgendwann spannt und ziept das Kleid doch so arg, dass es sich nicht mehr ignorieren lässt: Die Frau ist schwanger und weiß nicht, warum. Inmitten von Kriegswirren ist sie in andere Umstände gekommen und wird von ihrer Familie verstoßen – zumindest, bis die mysteriöse Vaterschaft geklärt ist. Heinrich von Kleist hat daraus seine gesellschaftskritische Novelle «Die Marquise von O....» gemacht, Armin Petras den ersten Teil eines Doppelabends, der sich zwei Frauenschicksalen widmet, zwischen denen rund 200 Jahre liegen.
Aus dem frauenfeindlichen 19.
Jahrhundert stammt Kleists schwangere Marquise, eine zeitliche Verortung deuten aber nur die Kostüme von Aino Laberenz an. Ansonsten zeigt sich die Inszenierung minimalistisch und setzt auf die Wirkung der Schauspieler. Das funktioniert, zumindest was die Besetzung der Hauptfigur angeht: Die Naivität, mit der Fritzi Haberlandt ihre Marquise auftreten lässt, ist anrührend. Sie ist eine Tagträumerin mit Blockflöte, die, wenn der zugereiste Graf (Hans Löw) um ihre Hand anhält, unschuldig-schnoddrig in die Familienrunde fragt: «Was habt ihr denn so fürn Gefühl?» Mädchenhaft und verspielt steht sie einer steifen Anstandswelt gegenüber, deren ...
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Theater heute Juli 2014
Rubrik: Chronik: Stuttgart, Seite 55
von Kristin Becker
Am Schluss von «Dämonen 2014» explodiert noch einmal das Bürogebäude des Ministerpräsidenten im norwegischen Regierungsviertel – jenes Haus, das bei Anders Behring Breiviks Terroranschlag 2011 vollständig zerstört wurde und nur wenige Minuten Fußweg vom Nationalteatret entfernt ist. Die Inszenierung, die im Februar 2014 Premiere hatte, war die erste Produktion auf...
Auch die Hexen haben heute Notebooks. Manierlich setzen sie Macbeth an den Feldtisch, ein Klick, und er hat ihre Prophezeiungen vor sich auf dem Bildschirm: Schottlands künftige Könige in digitaler Prozession; Gefahr droht von keinem, den eine Frau geboren hat; solange der Wald von Birnam nicht aufs Schloss zumarschiert, kann nichts passieren.
Die...
Am liebsten würde Wachtmeister Studer sich vor diesem Fall drücken. Zwei Vermisste in der Psychiatrie Randlingen, ein Patient, dazu der Herr Direktor persönlich, das riecht nach befremdlichen Begegnungen, verzwickten Vernehmungen, unangenehmen Überraschungen. Und sein Riecher hat Studer noch selten getrogen.
Also zaudert der Fahnder. Michael Neuenschwander, der...
