Ein Fall für Zweifler

Das Schauspielhaus Zürich adaptiert und adoptiert zwei literarische Sonderlinge: «Matto regiert» nach Friedrich Glauser und «Ein Held unserer Zeit» nach Michail Lermontow

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Am liebsten würde Wachtmeister Studer sich vor diesem Fall drücken. Zwei Vermisste in der Psychiatrie Randlingen, ein Patient, dazu der Herr Direktor persönlich, das riecht nach befremdlichen Begegnungen, verzwickten Vernehmungen, unangenehmen Überraschungen. Und sein Riecher hat Studer noch selten getrogen.

Also zaudert der Fahnder. Michael Neuenschwander, der Friedrich Glausers rand- und bodenständigen Krimiserienhelden im Zürcher Schauspielhaus unterm Hotzenplotzbart hervorwuchern lässt, duckt sich unschlüssig vom Foyer aus ins Parkett.

Dass es ihn dann doch durchs blendend weiße Bühnenportal hinauf an den Tatort zieht, liegt an den Anstaltsinsassen, die den Wachtmeister im Chor anlocken wie die Hexe den Hänsel, allerdings mit einem Frühstücksei. Das Ei fliegt durch die Luft, der Studer fängts reflexhaft auf, schon ist er drin, im Fall und im Reich des nackten Unbewussten, wo laut Stück- und Romantitel «Matto regiert». «Matto», so viel weiß der Studer vorab, nennen die Italiener ihre Irren.

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Theater heute Juli 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 17
von Stephan Reuter

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