Ein Meter fünfundneunzig und hundertzehn Kilo
Ich hatte fast Angst vor ihm. Vor diesem großen, mächtigen Mann, der als Chuck in Dogville grob und gefühllos die junge Grace vergewaltigt. Konnte den Schauspieler Sebastian Kowski kaum ansehen, als wir nach einer Vorstellung zufällig nebeneinander an der Bar im Foyer standen, geschweige denn
ansprechen. Hielt vorsichtig Abstand, als wir für «Faust 21» probten, ich im Chor, er als Faust. Und staunte. Was für ein charmanter, verführerischer Faust! Besonders in der Szene, wo Faust alias Goethe in weißem Anzug mit weißem Hut die Helena-Szene spielt, vorführt, genießt.
Er war lässig und komisch. Mehr als dreißig Mal schaute der Chor zu. Kowski war jedes Mal anders, mal besser, mal noch besser, nie weniger als gut. Gefährlich ist Sebastian Kowski nur auf der Bühne. Da aber sehr. Weil er sehr groß ist und kompakt. Weil er Kraft, Energie, Intensität hat.
Ist er nicht völlig fertig, nachdem er fünf, sechs Biertische und Bierbänke über eine mannshohe Wand auf die Hinterbühne geworfen hat? «Nein.» Wie schafft er es überhaupt, Bierbänke mit nur einer Hand zu schmeißen? «Mit einer Hand, das kann nicht sein.» Aber ich hatte es gerade gesehen, mindestens drei Bierbänke, nur mit einer Hand, in ...
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Schnell wird es dunkler auf der Bühne. Der an Schienen hochgezogene weiße Tanzboden, der die Bühne rahmt und in einen White Cube von museumsartigem Zuschnitt verwandelt, verliert seine gleißende Wirkung und wird matt. Tänzer und Tänzerinnen in knöchellangen weiten, schwarzen Musselinröcken postieren sich vor der Rückwand, als seien sie einem barocken Gemälde von...
Am Ende spucken die Tauben Krümel auf den Boden, saugt der Springbrunnen Wasser ein, verlassen die Zuschauer rückwärts im Gänsemarsch das Theater, das ein Kino ist. Der niederländische Zuschauerverzauberer Dries Verhoeven schickt etwa zwanzig Zuschauer auf eine Reise in die zukünftige Vergangenheit. Man trifft sich neben einer Tiefgarageneinfahrt, geht schweigend...
Die Beatgeneration – zur Erinnerung: Das war die, die in «der schlechtesten der Welten» ein «glückseliges Leben» führen wollte –, die «Beatniks» also, die vor etwa 50 Jahren das Establishment literarisch ver- und sich selber dabei gleich physisch zerstörten, feiern so eine Art Auferstehung. Sowohl als Original als auch als Plagiat: Auf dem Buchmarkt wird...
