Gebrochener Tabu-Brecher
Die Beatgeneration – zur Erinnerung: Das war die, die in «der schlechtesten der Welten» ein «glückseliges Leben» führen wollte –, die «Beatniks» also, die vor etwa 50 Jahren das Establishment literarisch ver- und sich selber dabei gleich physisch zerstörten, feiern so eine Art Auferstehung. Sowohl als Original als auch als Plagiat: Auf dem Buchmarkt wird beispielsweise die sehr späte Veröffentlichung eines skurrilen Romans, den Jack Kerouac und William S.
Burroughs zusammen geschrieben haben («Und die Nilpferde kochten in ihren Becken») bejubelt; Poetry-Slam-Partys erinnern an die verrückten Sprachbeschwörungen der sprachlosen Nachkriegszeit; bunte Mode, fette Joints und die Sehnsucht nach ewigem Frieden sieht, riecht und vernimmt man wieder allerorten; und als jüngst der Wegbereiter dieser kunstfeindlichen Kunstrichtung, der uralte J.D.Salinger, starb, da erinnerten sich alle – auch die, die nie dabei waren – seufzend an eine Kult-Ära, in der man als Jugendlicher noch auf den Putz hauen konnte – und die alten gesellschaftlichen Fassaden doch tatsächlich Risse bekamen und bröckelten.
Jack Kerouac hatte mit dem Roman «Unterwegs» damals so eine Art Lock-Buch vorgelegt und die jungen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sie gleiten wie schlafwandelnde Eisläufer über die Bühne und passieren Spiegel, in denen sie wie flüchtige Erscheinungen auftauchen. Gelegentlich wandeln sie auch wie Pärchen, dann allerdings verschwindet plötzlich einer von ihnen hinter einem der Spiegel und wird scheinbar verschluckt. Da hat man den Eindruck, Mannheims Schauspielchef Burkhard C. Kosminski habe...
Luc Bondy ist nur in seinen Inszenierungen der sensible Menschenkenner; privat kann er nicht einmal grüßen. Er und Frank Castorf schieben sich gegenseitig die Inszenierungen zu. Peter Stein ist total abgedriftet, und Matthias Lilienthal hat mit Christoph Schlingensiefs Freundin geschlafen. Woher wir das alles wissen? Ganz einfach: Christoph Schlingensief ist mit...
Schnell wird es dunkler auf der Bühne. Der an Schienen hochgezogene weiße Tanzboden, der die Bühne rahmt und in einen White Cube von museumsartigem Zuschnitt verwandelt, verliert seine gleißende Wirkung und wird matt. Tänzer und Tänzerinnen in knöchellangen weiten, schwarzen Musselinröcken postieren sich vor der Rückwand, als seien sie einem barocken Gemälde von...
